7.2 Alternativformen
Physisch eingeschränkte Menschen, deren sexuelle Bedürfnisse nicht befriedigt werden, weil sie
sehr stark benachteiligt sind, haben die Möglichkeit auf Alternativformen zurückzugreifen.
Darunter verstehe ich professionelle (Liebes-) Dienste, die ihre Leistungen gegen Geld verkaufen.
So werden z. B. Prostituierte in Anspruch genommen. Eine weitere Möglichkeit bietet die
Interessengemeinschaft für Behinderte e. V. (IFB) in Wiesbaden. Diese hat im Herbst 1995 den
Körperkontaktservice "Sensis" für physisch eingeschränkte Menschen eingerichtet. Es ist ein bisher
einmaliges Projekt in der BRD.
Der Grundgedanke von "Sensis" ist: unbefriedigte Sehnsucht motorisch beeinträchtigter Menschen
nach Liebe und Zärtlichkeit Abhilfe zu schaffen (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 12).
Die MitarbeiterInnen von "Sensis" sind nicht ehrenamtlich angestellt, sondern bekommen Geld für
ihre Dienstleistung.
Ein Besuch kostet 130, 00 DM pro Stunde. Davon wird eine viertel Stunde für die Anfahrt
abgerechnet, so daß der oder die MitarbeiterIn 45 Minuten beim Kunden vor Ort ist.
Die MitarbeiterInnen wurden nach bestimmten Auswahlkriterien ausgesucht. Hier waren vor allem
selbstbewußte Persönlichkeiten gefragt, die ihre eigenen Grenzen erkennen können und
respektieren.
Besonders Wert wurde hierbei auf ein gutes Körpergefühl gelegt. Inzwischen arbeiten 5 weibliche
und 2 männliche MitarbeiterInnen bei "Sensis".
Bei den Besuchen der oder des MitarbeiterInnen steht nicht der Geschlechtsverkehr im
Vordergrund. Dieser wird nur auf Wunsch des Kunden ausgeführt. Vor allem soll das Körpergefühl
gestärkt werden, Streicheln und Massieren sind hierbei wichtig.
Nach 45 Minuten jedoch ist Schluß. Dies hat zwei Gründe: einmal würde sich bei einer längeren
Besuchsdauer der oder die MitarbeiterIn überfordert fühlen, und zum anderen kann sich in diesem
kurzen Zeitraum keine tiefere Beziehung aufbauen, was "Sensis" auch gar nicht möchte.
Leider hat sich der Körperkontaktservice "Sensis" weder auf meine telefonische, noch auf meine
schriftliche Anfrage um Informationen bei mir rückgemeldet. So bleiben einige Fragen meinerseits
unbeantwortet. Beim Lesen einiger Artikel über "Sensis" wurde jedoch bei mir der Eindruck
geweckt, daß es sich bei diesem Service möglicherweise nur um eine andere Form der Prostitution
handelt.
Auf jeden Fall sehe ich beim Körperkontaktservice wie bei der Prostitution dieselben Vor- und
Nachteile. Positiv bei beiden Alternativformen ist, daß sie Pflegekräfte entlasten, die um Hilfe zur
Sexualität gebeten werden. Auch ist es möglich bestimmte Techniken hier kennenzulernen, die auf
physische Einschränkungen eingehen.
Negativ zu betrachten ist aber, daß beide Liebesdienstleistungen nur auf die sexuellen Bedürfnisse
zielen. Den Wunsch der meisten physisch eingeschränkten Menschen nach Liebe und Partnerschaft
können beide nicht erfüllen (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 8-13).
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Dein persönliches Auftragsgedicht:
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