3.1 Beeinflussung der sexuellen Entwicklung physisch eingeschränkter Kinder/Jugendlicher
durch äußere Faktoren
Die Eltern
Entscheidend für die sexuelle Entwicklung sind die Eltern, als die Bezugspersonen, und ihre
Einstellung zu ihrem physisch eingeschränkten Kind als sexuelles Wesen und als Förderer oder
Nicht-Förderer ihrer Sexualität.
Den Eltern fällt es häufig sehr schwer zu akzeptieren, das physisch oder intellektuell beinträchtigte
Menschen sexuelle Bedürfnisse haben und diese entwickeln.
In die Erziehung fließt kaum die Thematik der Sexualität mit ein, viele Eltern fühlen sich auf diesem
Gebiet einfach überfordert (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 7).
Motorisch eingeschränkten Kindern oder Jugendlichen wird häufig auch die Fähigkeit
abgesprochen, die typisch weiblichen oder männlichen Geschlechtsrollen übernehmen zu können.
Eine Auseinandersetzung mit der eigenen geschlechtlichen Identität ist meist nicht möglich. Diese
Nicht-Fähigkeit wird ihnen vermittelt, weil sie den gängigen Rollenklischees wegen ihrer physischen
Einschränkung nur bedingt genügen können.
Für den Mann stehen Assoziationen wie Aktivität, Selbständigkeit und Potenz. Ausgehend von der
Schwere der physischen Einschränkung kann ein männlicher Heranwachsender diesem Klischee
nur begrenzt entsprechen. Die Folge kann ein Identitätsverlust sein.
Es wachsen Befürchtungen den Ansprüchen einer Partnerin, besonders den sexuellen, nicht
genügen zu können. Diese Angst kann sich in sexueller Enthaltsamkeit ausdrücken.
Für die weibliche Geschlechtsidentität stehen eher Maßgaben der ästhetisch-sexuellen Normen im
Vordergrund.
Bereits bei der Anbahnung einer Beziehung wirken sich diese gesellschaftlichen Vorgaben negativ
für motorisch beeinträchtigte Mädchen und Frauen aus, obwohl sie wiederum dem Klischee der
passiven Sexualpartnerin entspricht. Allerdings kann ein physisch eingeschränktes Mädchen den
Rollenerwartungen als Hausfrau und Mutter nicht oder nur bedingt entsprechen. Dies kann sich
hemmend auf das Eingehen von Beziehungen auswirken (vgl. WEINWURM-KRAUSE, 1990, S. 69).
Spüren physisch eingeschränkte Kinder und Jugendliche bereits selbst, daß sie diesen gängigen
Geschlechtsrollenklischees nicht oder nur teilweise entsprechen können, so wird dies von den Eltern
häufig noch verschärft. So geht dies z. B. aus dem Bericht einer jungen motorisch beeinträchtigten
Frau hervor, die über ihre Erziehung und der Einstellung ihrer Eltern zu ihrer Weiblichkeit in
"GESCHLECHT: BEHINDERT, BESONDERES MERKMAL: FRAU (1990) berichtet:
"Zum einem zählt Haushaltsführung nach allgemeiner Überzeugung nicht zum Aufgabenkreis des
Mannes. Zum anderen stand für meine Mutter fest, daß ich niemals einen Partner finden würde. Meine
Konfirmation wurde z. B. groß gefeiert mit der Begründung, eine spätere Heirat sei ausgeschlossenund
da solle mich diese Feier für eine Hochzeit entschädigen. Daß mir damit die Lust am Feiern vergangen
war, liegt auf der Hand. " (EWINKEL u.a., 1990, S. 28).
Als "Ersatz" dafür, daß Sexualität und eine eventuelle Heirat so gut wie ausgeschlossen sind, legen
viele Eltern physisch eingeschränkter Kinder einen besonderen Wert auf eine gute Ausbildung.
Auch hierzu ein Kindheitsbericht aus "GESCHLECHT: BEHINDERT, BESONDERES MERKMAL:
FRAU (1990):
"Als meine Behinderung immer sichtbarer wurde, und ich mit vierzehn Jahren einen Rollstuhl brauchte,
entsprach ich nicht mehr der Norm einer Frau in unserer Gesellschaft, nämlich gutaussehend, eine
perfekte Hausfrau, nur für den Mann und die Kinder da zu sein. Jetzt stellte sich ja eher die Frage, ob
ich überhaupt jemals Mann und Kinder haben würde. Einen Haushalt würde ich ja auch nicht alleine
führen können. Nun blieb mir nur noch eine gute Ausbildung. " (EWINKEL u.a., 1990, S. 22).
In den Augen der Eltern erhöht sich die Chance ihres motorisch eingeschränkten Kindes für eine
Beziehung oder eventuelle Heirat durch eine gute Ausbildung und später einen möglichst guten Job
(vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 7).
Viele Eltern physisch beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher sind zu übervorsorglich. Sie
überhüten ihr Kind, um es vor Verletzungen durch andere zu bewahren und sie Befürchtungen vor
der sexuellen Entwicklung ihres Kindes haben.
So werden z. B. motorisch eingeschränkten Kindern und Jugendlichen sehr viel restrektivere
Wertvorstellungen vermittelt, als sie tatsächlich in unserem Normdenken vorliegen.
Mit einer Überhütung können Eltern jeglichen Kontakt ihres physisch eingeschränkten Kindes nach
außen isolieren. Bekommt es jedoch nicht die Gelegenheit Kontakte mit anderen zu knüpfen und die
elterlichen Wertvorstellungen in Frage zu stellen und dagegen zu rebellieren, dann wird es als
Erwachsener Probleme mit seiner sexuellen Entwicklung bekommen.
Denn die Erfahrungen eines nicht eingeschränkten Jugendlichen, der sich durch äußere Kontakte
zu Altersgenossen seine Sexualerziehung praktisch und theoretisch erweitern kann, fehlen dem
motorisch beeinträchtigten Jugendlichen dann oftmals (vgl. PORTER, 1988, S. 61u. 62).
WEINWURM-KRAUSE (1990) führte eine Befragung unter 158 Probanden mit physischer
Einschränkung durch, die ihre noch heute für sie bestehende Auswirkung der elterlichen
Sexualerziehung einschätzen sollten (vgl. ANHANG 1).
Die Schul- und Heimsituation
An Sonderschulen wird die Thematik der Sexualerziehung vollkommen tabuisiert, besonders dann,
wenn es sich um eine konfessionell gebundene Schuleinrichtung handelt.
Die Zielsetzung von Lehrern müßte jedoch sein, dem heranwachsenden physisch eingeschränkten
Jugendlichen eine positive Haltung zur Sexualität zu vermitteln. Ist ihm dies nicht möglich, so
müßte er zumindest eine informative Funktion haben, die den Schülern kommunikative Fähigkeiten
nahe bringt, die sie eventuell vor sexuellem Mißbrauch, Ausnutzung oder Schwangerschaft
bewahren können. Es ist wichtig über alternative Formen des Genitalsex aufzuklären, wie z. B.
Masturbation oder Oralsex (vgl. PORTER, 1988, S. 58).
Besonders schwierig ist ein normaler sexueller Entwicklungsverlauf für diejenigen physisch
eingeschränkten Kinder und Jugendlichen, die in einem Heim oder einer anderen institutionellen
Einrichtung leben.
Viele Heime sind auch heute noch geschlechtergetrennte Einrichtungen. Es gibt also häufig sehr
wenig Möglichkeiten Kontakte zum anderen Geschlecht aufzubauen. Vom Personal werden die
Jugendlichen herablassend, häufig wie kleine Kinder behandelt, um sie besser unter Kontrolle zu
haben. Für die Jugendlichen jedoch wird es durch diesen Umgang mit ihnen sehr viel schwieriger
unabhängig zu sein und neue Bekanntschaften einzugehen.
Fällt die Möglichkeit zum Ausgehen und Treffen auch mit nicht eingeschränkten Jugendlichen weg,
kann sich der Prozeß zum Erwachsenwerden verzögern (vgl. PORTER, 1988, S. 60u. 61).
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