Die etwas andere Frau
von Stefan Fauk

Samstagabend, 19.30Uhr, die Sonne neigte sich immer mehr dem Horizont entgegen. Es war Mitte September. Ich hatte mit meiner Assistentin, als sie um 19 Uhr zum Spätdienst erschien, einen Kaffee getrunken. Danach machte sie mir das Abendessen und dann saßen wir mal wieder vor der Glotze. Irgendwann fragte ich sie: " Ist es kalt draußen?" Sie entgegnete mir; "Nein, es ist noch sehr angenehm mild draußen". Ich fragte sie; "Wollen wir noch etwas unternehmen?" Sie sagte: "Ach nee, mag nicht, keine Lust." - "Okay, kein Problem, dann zieh ich alleine noch mal los!"
Ich setzte mich in meinen Elektrorolli, ließ mir vorher die Jacke anziehen, meinte noch mal zu meiner Assistentin "Willst du nicht doch mitkommen?"- "Och nee, ich mag nicht."
Bis in die Stadt waren es circa 4 Kilometer, kein Problem für den Rolli, die Akkus waren voll geladen, also fuhr ich los. Kam in der Stadt an, fuhr sinnlos an den Kaufhäusern vorbei, die durch ihre Werbung ziemlich aufdringlich wirkten. Die Malboro-Werbung an den Litfasssäulen blickte mich penetrant an, ohne dass sie meine Beachtung fand. Fuhr einfach weiter, Richtung Altstadt, bis ich an eine Stelle kam, die keiner mochte. Stellte meinen Elektrorolli auf eine langsamere Gangart ein, fuhr durch die Strasse, da wo bunte Leuchtschriftzüge brannten. Fuhr weiter, bis mir eine leicht verängstigte Stimme entgegnete: " Hallo, wie heißt du? Was machst du hier, habe dich noch nie hier gesehen?!" Mir stockte der Atem, total erschrocken wurde ich knallrot im Gesicht. "Woher kommst du? Hat dich irgendwas verwirrt?" "Nein" entgegnete ich ihr und wir kamen ins Gespräch. Sie hatte wohl noch nie etwas mit einem Spastiker, wie ich es bin; zu tun gehabt und ich bemerkte ihre Verunsicherung. Nach einiger Zeit meinte sie" es ist kalt geworden, wo wohnst du? Ich komme vorbei!" Zögernd gab ich ihr meine Adresse und fuhr nach Hause.
Einige Tage später, dachte an nichts schlimmes, hatte meine Stereoanlage doch ziemlich laut an, klingelte es an meiner Haustür. Ich machte die Tür auf. "Hallo, wo bist du?" - " Hier unten." Sie kam die Treppe herunter. Mir stockte der Atem. Eine wunderschöne Frau stand in meiner Haustür. "Ja komm rein." Total verlegen fragte ich sie: "Kaffee?" - "Ja gerne!" - "Sorry, musst dir aber selbst einen machen." - "Kein Problem!"
Wir unterhielten uns wie es in ihrer Stellung sei und ich bemerkte ganz schnell, dass sie auch, wie ich durch meine Behinderung, immer in eine Gruppe gesteckt wurde, mit der man eigentlich nicht so gerne etwas zu tun haben wollte. Sie erzählte mir von ihrer Arbeit. Ich hörte ihr geduldig zu und fragte mich immer mehr, mein Gott, was hat diese Frau alles erlebt. Die Zeit verging wie im Flug. Bis spät in die Nacht saßen wir zusammen, um uns nur zu unterhalten. Bis sie irgendwann meinte: "Es ist spät, ich muss nach Hause fahren." Sie gab mir zum Abschied ein kleines Küsschen auf die Wange.
Es vergingen wieder 2, 3 Tage und ich dachte mir, da hab ich mich mal wieder zu früh gefreut. 2 Tage später klingelte das Telefon. Eine Stimme entgegnete mir: "Hallo Stefan, ich bin's Beate. Bist du da? Kann ich vorbeikommen?" Wieder total verdutzt antwortete ich: "Ja klar, kein Problem. Bin Da. komm vorbei!"
Irgendwann, etwa eine halbe Stunde später, stand sie vor meiner Tür, hatte eine Flasche Rotwein in der Hand und zwei Kerzen.
Da mein Abenddienst noch in der Wohnung war, machte ich ihm mit verdeckter Stimme deutlich, dass er doch jetzt seinen Dienst beenden möchte. Er meinte: " Alles klar, bin weg!"
Wir saßen uns irgendwann gegenüber. Sie fragte mich verlegen: "Möchtest du Wein?" Ich meinte: "Nein danke, im Moment nicht!"
Keiner wusste so richtig, was er nun tun sollte. Irgendwann nahm sie meine Hand und fing an, meine Handfläche zu streicheln, streichelte mir über meine Backen, die immer röter wurden, bis sie irgendwann meinte: " Du bist so weit weg, lass mich neben dich!" Sie setzte sich auf die Lehne meines Sessels und fing an mit mir zu schmusen und meinte zu mir: " Hast du Angst?" - "Ja." - "Vor was?" - "Vor einer Enttäuschung!"
Bis heute bin ich mit Beate, seit drei Jahren zusammen. Sie unterstützt mich, wo sie nur kann. Wir haben es nie bereut, den einen Abend, als wir uns kennen gelernt haben miteinander verbracht zu haben. Mittlerweile arbeitet sie in der Pflege. Allerdings nicht bei mir, denn Beziehung und Pflege miteinander zu verbinden, ist einfach sehr schwer.
Auch diese Geschichte ist frei erfunden und nicht real. Es ging mir einfach darum, mal was ganz anderes zu machen, deshalb lest sie und stellt euch diese Situation vor und fangt an zu träumen, denn man soll nicht alles so real sehen. Ich habe mir meine Phantasie noch bewahrt und nur darum geht es.
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