4. Sexualität im Erwachsenenleben physisch eingeschränkter Menschen
Der Umgang eines physisch eingeschränkten Menschen mit seiner Sexualität hängt zum einem
häufig davon ab zu welchem Zeitpunkt die Beeinträchtigung eingetreten ist.
Einstellung und Umgang mit der eigenen Sexualität werden sich anders gestalten, wenn die
körperliche Einschränkung seit der Geburt oder seit einer frühkindlichen Schädigung vorliegt,
als wenn die motorische Beeinträchtigung erst im Erwachsenenleben eingetreten ist.
Bei Menschen, die bereits seit ihrer Kindheit physisch eingeschränkt sind, treten meist
Schwierigkeiten wegen der Asexualität ihrer Erziehung und ihres Umfelds auf (siehe auch 3.).
Ein weiteres Problem für früh motorisch beeinträchtigte Menschen ist, weil sie meist isoliert
aufwachsen, Kontakte mit anderen aufzubauen und Beziehungen anzubahnen (vgl. PORTER, 1988,
S. 66).
Es ist aber nicht nur die mangelnde Kontaktfähigkeit, sondern vor allem auch mangelnde
Kontaktmöglichkeiten. Viele Gelegenheiten (z. B. in Cafe, Kneipe, Kino ect.), um mit anderen
Menschen in Kontakt zu kommen, sind für physisch eingeschränkte Menschen erschwert
zugänglich. Hinzu kommt, daß motorisch beeinträchtigte Menschen häufig in Heimen oder anderen
institutionalisierten Einrichtungen leben (vgl. BÄCHINGER, 1978, S. 103).
"Ein glückliches Leben, sexuelle Beziehungen zu anderen Menschen setzen voraus, daß man imstande
ist, andere Menschen kennenzulernen, unabhängig zu sein, sich erwachsen zu fühlen, und die
Verantwortung für sich selbst zu übernehmen." (PORTER, 1988, S. 36).
Eine physische Beeinträchtigung, die erst im Erwachsenenleben eintritt, stört das psycho-soziale
Gleichgewicht des Individuums erheblich, besonders dann, wenn sie abrupt eingetreten ist (vgl.
VANDEREYCKEN, 1981, S. 202).
Viele Fragen auch auf dem sexuellen Gebiet treten auf, werden aber von den medizinischen
Fachkräften nur schwer oder unsensibel beantwortet. Dazu ein Beispiel von PORTER (1988):
"Als ich meinen Unfall hatte, sagte mir niemand, daß ich meinen Samen sammeln und einfrieren lassen
sollte, falls ich später einmal Kinder haben wollte. Jetzt kann ich keine mehr haben."
(vgl. PORTER, 1988, S. 63).
Eine plötzlich eingetretene physische Beeinträchtigung im Erwachsenenleben berührt aber nicht
nur die Sexualität des betroffenen Menschen selbst, sondern auch seinen (Ehe-)partner und seine
Familie(vgl. PORTER, 1988S. 64). Die abrupte motorische Einschränkung kann einen erhöhten
Streßfaktor innerhalb der Ehe darstellen und ihre Beständigkeit bedrohen. Allerdings ist das
Scheitern einer Partnerschaft nicht unbedingt auf die physische Beeinträchtigung zurückzuführen.
Vielfach ist sie nicht Ursache, sondern nur Anlaß einer Ehescheidung, also ein Zeichen, daß die
Partnerschaft schon vorher zerrüttet war (vgl. VANDEREYCKEN, 1981, S. 213).
Eine plötzlich eingetretene körperliche Einschränkung kann entscheidend das Selbsbildnis des
betroffenen Menschen beeinflussen. Er selbst sieht sich kaum noch als Lustobjekt oder-subjekt.
Wichtig ist also hier sein zerstörtes Selbstbild wiederaufzubauen oder durch ein neues zu ersetzen,
das zwar der realen Lebenssituation mit einer physischen Einschränkung Rechnung trägt, mit dem
man aber auch leben kann (vgl. PARAPLEGIKER, Heft 2, 1995, S. 20).
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