Jana
von Thomas
sie ruft mich an, dachte irgendwann gestern, es war ein
vergangener freitag, ich saß da, saß in meinem rollstuhl und
wartete. die uhr zeigte sieben. ich starrte auf das telefon, es
war still im zimmer. ich könnte lesen, dachte ich und atmete
tief ein. irgendwie war mir kalt. ich könnte im Siebenkäs
weiterlesen, dachte ich, auf meinem schreibtisch lag der
Siebenkäs. ich möchte bei Jana sein, dachte ich, es war warm
bei ihr gestern, in ihrem zimmer war es so warm, dachte ich.
und heute ruft sie mich bestimmt an, dachte ich und starrte
auf mein telefon. ihre stimme ist wunderbar, dachte ich, ich
höre Jana so gerne reden. gestern am abend hat sie eine kerze
angezündet, dachte ich, und es war so schön im kerzenlicht.
ich saß in meinem rollstuhl und dachte an gestern, die uhr
zeigte halb acht. es war still in meinem zimmer. ich hätte so
gerne ihre haare berührt, dachte ich jetzt, einfach so, einmal
ihre haare berühren und ihre hände streicheln, dachte ich,
ganz zärtlich hätte ich so gerne ihre hände gestreichelt. ich
dachte an das kerzenlicht und an ihre augen. die augen
glitzerten im kerzenlicht, dachte ich, ich habe in ihre augen
gesehen, und die haben so wunderschön geglitzert, dachte
ich, sie haben bezaubernd schön geglitzert. in meinem zimmer
war es kalt, die uhr zeigte dreiviertel acht. ich werde nicht im
Siebenkäs lesen, dachte ich, nicht mehr heute. ich saß
gestern bei Jana, dachte ich, und ich war glücklich bei Jana.
Jana hat gesagt, sie ruft mich an, dachte ich, als ich mich
gestern von ihr verabschiedet hatte sagte sie noch, sie ruft
mich an. ich saß in meinem zimmer und wartete auf Jana, ich
wartete auf ihren anruf. ich atmete tief durch. Holzfällen habe
ich schon zweimal gelesen, dachte ich, ich werde Holzfällen
bestimmt auch noch ein drittes mal lesen. ich dachte kurz an
den suppenlöffelnden burgschauspieler und dann wieder an
Jana. wir haben zusammen wein getrunken, Jana und ich,
dachte ich, und wir haben viel gelacht. Jana lacht so gerne,
dachte ich, und mir gefällt ihr lachen. wir haben wein
getrunken, dachte ich, und gelacht. ich habe vergessen,
dachte ich jetzt, ich habe gestern vor lauter lachen, vor lauter
lachen mit Jana, vergessen, daß ich im rollstuhl sitze, dachte
ich. es war still in meinem zimmer. ich saß in meinem
rollstuhl und wartete auf den anruf der Jana. ich hatte erst
das halbe glas wein getrunken, hat sie schon ein ganzes
geleert gehabt und ihr und mir nachgeschenkt, dachte ich, sie
hat mir immer schon nachgeschenkt, bevor ich mein glas
leergetrunken hatte, dachte ich. die weingläser glitzerten auch,
dachte ich, aber nicht so schön wie die augen der Jana. ich
saß in meinem zimmer und wartete. sie ruft mich bestimmt
noch an, dachte ich, es war freitag und die uhr zeigte acht.
Jana hat mich gestern verzaubert, dachte ich, ich war ganz
verzaubert gewesen, als ich gestern mit der Jana wein
getrunken und gelacht habe, meine behinderung war
weggezaubert gewesen, dachte ich. ich liebe Jana deswegen,
dachte ich mir jetzt im rollstuhl sitzend und auf ihren anruf
wartend. Jana rief gestern um dreiviertel zehn meine
assistentin an, und die holte mich dann um zehn von Jana
ab, dachte ich, ich hatte mir mit meiner assistentin
ausgemacht, daß ich sie irgendwann um zehn oder später
anrufen würde, und Jana hat schon um dreiviertel zehn
angerufen, dachte ich jetzt. das lange haar ist das schönste an
Jana, dachte ich, und die stimme, ja, und die augen, die
augen waren das schönste. in meinem zimmer war es kalt, die
uhr zeigte viertel neun. Jana hat noch nicht angerufen. ich
gehe morgen fort, sagte Jana gestern begeistert, dachte ich,
mit ein paar freunden nach pasching ins kino, sie schwärmte
vom paschinger kino, dachte ich, und sie war begeistert von
irgendeinem film. um halb neun holt mich peter ab, sagte sie,
dachte ich, sie sagte, daß sie um halb neun fertig sein müsse.
die uhr zeigte jetzt fünf vor halb neun. ich hob den
telefonhörer ab und wählte die nummer der Jana - hallo, hier
spricht die Jana, ich bin leider im moment nicht... ich legte
den hörer langsam auf. ich saß in meinem rollstuhl und
wartete nicht mehr auf den anruf, ich saß einfach nur da, es
war still in meinem zimmer. dann schaltete ich das radio ein
und hörte mir Salon Helga an, mit Stermann und
Grissemann.
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