3.2 Die Selbstbewertung des physisch einge schränkten Jugendlichen und seine Ansicht zu
Sexualität und Partnerschaft
Diese negative Einstellung der Umwelt (Eltern, Schule, Heime ect.) zur Sexualität physisch und
intellektueller Menschen kann laut SCHNEIDER (1976) für die Gesamtpersönlichkeit des motorisch
eingeschränkten Kind oder Jugendlichen sein. Besonders Institutionen können neben der
Familie/den Eltern hemmend auf die sexuelle Entwicklung wirken. Viele physisch eingeschränkte
Kinder und Jugendliche haben deshalb keine oder eine mangelhafte Sexualerziehung, die sie nicht
aufklärt und ihre Sexualität mißachtet (vgl. WEINWURM-KRAUSE, 1990, S. 73).
So ist die Umwelt bemüht physisch oder intellektuell eingeschränkte Menschen getrennt von ihren
sexuellen Bedürfnissen zu sehen (siehe auch 2.).
Die Folge für die Selbstbewertung motorisch beeinträchtigter Kinder oder Jugendlicher ist nach der
Meinung von NORDQUIST (1975), daß es sich selbst nicht als sexuelles Wesen betrachtet und somit
seine sexuelle Entwicklung häufig erschwerter verläuft, als bei seinen nicht eingeschränkten
Altersgenossen (vgl. WEINWURM-KRAUSE, 1990, S. 74).
Sehr früh spürt auch ein physisch eingeschränktes Kind, daß es nicht selbst, sondern seine
Beeinträchtigung im Vordergrund steht. Regelmäßig wird der Körper bei ärztlichen Untersuchungen
berührt, auch Regionen, die später zu den erogenen Zonen gehören.
Das hat eine Enterotisierung und Entsexualisierung des eigenen Körpers zu Folge (vgl.
BÄCHINGER, 1978, S. 90).
Ein eigenes Körpergefühl kann dadurch kaum entstehen.
Erschwert wird die Pubertätsphase dann noch mehr, wenn dem physisch eingeschränkten
Jugendlichen eine peer group fehlt, die bei Problemlösungen sehr behilflich sein kann.
Doch auch wenn ein motorisch eingeschränkter Jugendlicher in einer peer group ist, erfährt er die
zunehmende Gewichtung körperlicher Attraktivität. Für einen physisch beeinträchtigten
Jugendlichen kann laut SCHNITTIGER (1983) die Erfahrung, daß er aufgrund seiner körperlichen
Einschränkung diesen Normvorgaben nicht genügt und seine Beobachtung von ersten
Paarbeziehungen bedeuten, daß er sich entweder zurückzieht, eine niedrigere Slbsteinschätzung
und eventuell Depressionen bekommt oder bemüht ist besonders im sexuellen Bereich Erfahrungen
zu sammeln, ohne daß dies seinen wahren emotionalen Bedürfnissen entsprechen muß (vgl.
WEINWURM-KRAUSE, 1990, S. 74).
Probleme in der sexuellen Entwicklung und Pubertät von physisch eingeschränkten Kindern und
Jugendlichen entstehen also weniger wegen der motorischen Beeinträchtigung, sondern
hauptsächlich bei der Überwindung sozialer Barrieren. Ästhetische und rollen- spezifische
Normvorgaben wirken sich besonders hemmend aus (vgl. WEINWURM-KRAUSE, 1990, S. 71-74).
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