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Das ängstliche Mädchen, oder: Schau mir nie ins Gesicht
Man beachte:
1970 gab es noch kein Handy,
die Schulaufsätze wurden damals politisch, aber
der Mensch war erst mit 21 Jahren volljährig.
Die Eltern haben gesiegt. Sie haben eine noch ganz neue, zarte, junge, weltfremde Liebe abgeschnitten. Seit Tagen sitzt Gitti nun im Haus der Eltern und schweigt. Nur wenn man sie zwingt aufzublicken, wird der Hass in ihren Augen sichtbar: Ihr habt gesiegt. Das muss euch genügen. Ihr habt ihn fortgejagt, fortgejagt mit der Drohung, ihm bei der Ausländerbehörde irgend was anzuhängen. Ihr entschuldigt euch bei ihm, oder ihr erntet meinen Hass bis ans Lebensende.
"Du hast doch früher von Freiheit geredet, und jetzt?"
Die Antwort ist ein heiseres Lachen von Gitti. Seit wann ist denen meine Freiheit teuer?
"Mitnehmen wird er dich, EINSPERREN wird er dich, verdient hast du es ja, dann wirst du nach deinen Eltern weinen, und es wird zu spät sein, hörst du, ZU SPÄT...!"
Sie reden, bis Gitti alle Gedanken wie Vögel davonfliegen. Einsperren? Eben haben sie noch gesagt, er wolle bloß von meinem Geld studieren. Wie soll ich aber für ihn Geld verdienen, wenn er als Moslem mich als Frau zu Hause einsperrt! "Gitti, Gitti, hör doch, ich bitte dich, werde wieder du selbst, finde wieder zu dir selbst zurück!"
Zu mir selbst finden? Diese Leute hassen die neue Zeit, wo sich Völker vermischen und auch soziale Schichten, aber die neuen Gefühlswort-Waffen benutzen sie trotzdem, darum mag Gitti die Worte nicht, diese ewige KOMMUNIKATION. Zu mir selbst finden? Aber WO bin ich, denkt sie, und WER bin ich überhaupt?
Mit vier hatte Gitti ihr Ich zum erstenmal gehört. Es saß in ihr. Irgendwo in ihrem stumpfen, leergeweinten Körper hatte eine kleine Stimme gesessen und gesagt: ICH GLAUB EUCH KEIN WORT. Seitdem war die kleine Stimme da, und ab und zu vergewisserte Gitti sich:
Bin ich noch da, und glaub ich ihnen noch immer kein Wort? - Ja!
Dieses Ja ist ein fester Halt, der hat die junge Frau getragen bis zum Abitur. Aber das Ich hinter dem Ja ist klein geblieben, vierjährig, es konnte nicht wachsen. Täglich musste es festbleiben vor dem Ansturm von Vater und Mutter, wann sollte es da wachsen?
Erst als die junge Frau den Fremden traf, ist ihr Ich aufgewacht und ein Stückchen größer geworden, denn es hat sich ein neues Ziel einverleibt: ICH werde dem scheuen, traurigen Ali helfen, seinen Traum vom Kunststudium zu finanzieren. Endlich zu etwas nütze sein, das war doch auch politisch!

Das neue Ich ist noch schutzlos wie ein frisch gehäutetes Insekt. Wenn diese beiden schweren Massen Mutter und Vater sich vor der jungen Frau aufbauen - heftig atmend, laut schluchzend und einig, dann schnurrt das Ich wieder zusammen wie eine Pupille unter allzu grellem Licht. Es wird so klein wie ein Stecknadelknopf, wie ein Floh. Sie werden es zerdrücken.... "Du bist ihm hörig, hörig, HÖRIG!"
Immer näher rücken sie.
„Ja, jetzt hältst du dir die Ohren zu, jetzt schlägt dein Gewissen, du willst nur die Wahrheit nicht hören, du zerstörst wegen diesem Kerl deine Eltern, hörst du, DEINE ELTERN, aber wir lieben dich noch immer....“
Einen Augenblick lang glaubt Gitti, ihn wirklich zu sehen, den dunklen Dämon, den fremden Zerstörer ... nein, Ali ist nicht der Dämon, der Dämon ist einzig der Vater selbst.
"Guck mich mal an", hatte er dem kleinen Mädchen oft befohlen, "Guck! - Mich! - Mal! - An!" immer wieder. Dem kleinen Mädchen die dürftigen und doch so kostbaren kleinen Geheimnisse aus dem Kopf gezogen, all das Garnichtwahr und Nurgeträumt und Nochzujung und Nochzuklein.
Durch die Augen kann er in meinen Kopf eindringen, kann all die schönen, großen, dunklen Bilder da drinnen durchbohren, zerreißen, zerstören, mein einziges Eigentum. Also Augen zu kneifen, ganz weit weg denken, in meine Hand beißen, dass ich nur nicht schreie, den Schrei unterdrücken - den Schrei - den Schrei - den Schrei!

Schweigen, Dunkelheit, Schwindel, nein, jetzt nur nicht fallen, nutze den Augenblick! Und sie flog herum, flog in ihr Zimmer, drehte den Schlüssel um. Die Eltern riefen vom Flur aus. Nein, hier bin ich nicht sicher genug. These people might break the door, hat sie einmal zu Ali gesagt. These people forever. Schrank vor die Tür schieben geht auch nicht, Gitti ist klein und schmal für achtzehneinhalb. Also Fenster auf und raus! Erst als sie den rauen Außenputz an den Füßen spürte, fiel ihr - so'n Mist aber auch - ein, dass sie barfuß war. Alle Schuhe waren im Flur heute, keiner in ihrem Zimmer. Nichts zu machen. Sie lief. Raus aus dem verwilderten Garten - statt dass die mal ein Hobby hätten wie die Nachbarn, glucken sie auf mir!
Der noch warme Asphalt war ihren Fußsohlen angenehm. Es blieb die Angst vor Glasscherben und spitzen Steinen, die Angst prickelte, machte ein warmes Gefühl im Bauch. Erst seit wenigen Wochen begriff sie, dass Angst ihre Lust weckte auf einen Mann. Natürlich nicht die Wahnsinnsangst vor dem ins-Gesicht-geguckt und aufs-Gewissen-gedrückt kriegen. Aber die kleineren Ängste, so vor Schnittwunden oder Armut und harter Arbeit und Krankheit und Tod und bösen Männern - alles was das Leben fern des Elternhauses bekanntlich so mit sich bringen würde, das machte ein warmes Gefühl im Bauch. Der Schrei, den sie unterdrückt hatte - komisch, jetzt war er weg wie nie gewesen!
Sie lief weg von den Häusern, hinüber zum dunklen Garagenplatz. Hinter ihr knirschten die Räder eines Wagens auf dem Kies. Sie zuckte zusammen. Wenn das die Polizei war oder ein Krankenwagen, der sie in die Psychiatrie bringen sollte! Sie hatten ihr schon gesagt, dass es nicht normal war, nie mit Eltern geschmust zu haben (igitt, allein der Gedanke), an keinem Menschen außer Ali je gehangen zu haben und keinen Blick ins Gesicht zu ertragen. Vielleicht bin ich ja wirklich ein autistisches Kind. Mutter schimpft mich alte Jungfer, weil ich daheim sitze und male und über Jungs von der Schule nicht tratschen will - aber dann mir die Pille verbieten wollen - wer hat hier die Schizophrenie?
Scheu blickte sie hinter sich. Nein, es war keine Polizei, keine Psychiatrie, nur ein Privatauto, nur ein fremder Mann, der da ausstieg, keine Sorge! Der Vater fuhr ja nicht Auto - die Mama hatte vor Unfällen Angst.
Gitti sah auf ihre Armbanduhr, es war erst fünf nach halb zehn.
Aber den Mann, der da auf sie zu kam, Brille, Bart und breite Schultern, dunkle Jacke und helle Jeans, den kannte sie doch, sie kam nur nicht auf den Namen. Gesichter und Namen konnte sie nicht behalten, aber andererseits - wer keinen Namen weiß, kann auch keinen Gefährten verraten. Der Mann war etwas älter als sie und Vorarbeiter in der Kabelfabrik, und einmal hatte er mit Ali und ihr zusammen sein Bier getrunken. Damals hatte sie ihn nicht gemocht, weil er gesagt hatte, dass Ali ein armer Kerl sei, aber er hatte ja so recht gehabt. Und sie hatte Ali doch bloß helfen wollen.
Hoffentlich guckte ihr der Mann bloß nicht ins Gesicht!
Nein, das tat er nicht. Sein erstaunter Blick glitt über ihre bloßen Füße. Die Beine hinauf und dann starrte er vorn auf den kurzen Rock, auf einen Punkt dicht über dem Saum. Sie lehnte sich zurück an das Blech des Garagentors, die Fußsohlen in das Prickeln der kleinen Kieselsteine gestemmt und atmend, als wäre sie gelaufen. The days of Pearly Spencer, summte sie, schon lange ihr Lieblingslied, the race ist almost run. You walk too far along the street where only rats can run. Klar war sie zu weit gegangen, wo nur die Ratten laufen können, aber, oh diese jubelnden Geigen hoch über der brummenden Mannesstimme - nur wo die Ratten laufen, hab ich eine Chance. Sie hatte den Kopf zurückgeworfen, die Augen geschlossen, nein anschauen kann ich dich nicht - aber du, schau, schau hin! Hast du Röntgenaugen, dass du durch den Rocksaum hindurch das... das Ding da sehen kannst? Wie schön, dass du zuerst dahin guckst statt auf den Busen. Mein Busen ist zu klein, und die Jungs halten mich für eine Nonne.
Sie murmelte so leise, dass er gewiss kein Wort verstand. Doch sein Mund stülpte sich über ihre Lippen, Zungen stießen rüber-und-nüber von Mund zu Mund, seine Hand rieb über ihre Nässe, bis sie vor Stöhnen seinen Mund loslassen musste und zu Boden sank. Er legte sich auf sie, packte sie bei den Schultern und keuchte: "Muss ich aufpassen?" Nein, musste er nicht, sie hatte die Pille weiter genommen nach Alis Flucht. Sie breitete die Arme aus wie Flügel, wie Segel, sie war ein Pirat, nein, ein riesiges Freibeuterschiff, dahinrasend unter dunklem Himmel auf rauschendem Meer, und das Meer dröhnte mit der Stimme des Mannes, und die Wellen stießen und stießen und stießen.

Er stand auf, machte seine Hose zu. Seine Hände glitten suchend über die Hosentaschen. So erschöpft Gitti auch war, dieser Anblick machte sie lachen. "Nein, ich habe auch keine, ich bin Nichtraucherin," sagte sie.
"Ich rauch auch nicht viel, aber es gibt so Momente.... " Er stutzte. "Wie ist das, kann ich dich anrufen?"
Hinterher wurde ihr klar: Mit dieser Frage hatte er wissen wollen, ob sie es nicht bereute.
Aber jetzt, in der ersten Panik, schrie sie: "Nein!!! Nicht anrufen! Meine Eltern.... Kannst du mir nicht deine Nummer geben?" "Okay". Mit angestrengten Augen schrieb er in der beginnenden Nacht die Nummer auf die Rückseite eines Kassenzettels. Gitti nutzte die Zeit und fragte: "Du... kannst du mir auch mal die Fabrik zeigen und mir helfen, einen Job dort zu kriegen?" "Nanu, wolltest du nicht auf die Uni?"
"Soll ich, will ich aber nicht. Erst mal weg von zu Hause und eigenes Geld."
"Das sieht mir auch so aus, Prinzessin Ohneschuh!" Grinsend schaute er wieder auf ihre Füße. Sie stand auf, zeigte ihm kurz ihr Winkehändchen wie ein kleines Kind und rannte zurück zu den Häusern, singend, ja, das Haus in New Orleans, wo nette Mädchen nicht hingingen, aber in Gittis dürftiger Geografie war das Haus in New Orleans die einzige Alternative zum verhassten Sommerferien-Schwarzwaldhotel, und wieder The days of Pearly Spencer oho, ja das Rennen war gelaufen und nur wer mit den Ratten laufen kann wird niemals gefangen!

Bei den Eltern brannte natürlich noch Licht. Sie sah auf ihr Leuchtzifferblatt. Genau fünf vor zehn. Wer sagts denn, ich bin ein ängstliches, ungeselliges Mädchen, immer um zehn im Bett! Zum Glück hatte Gitti schon zu Beginn ihrer Ali-Liebe den Fenstergriff in ihrem Zimmer lose gemacht und diesen Nippel da mit Klebeband reingedrückt, so dass das Fenster immer auf war, auch wenn es zu aussah. Da kletterte sie hinein.
Die Eltern hatten ja solche Angst vor Einbrechern! Aber da Gitti ihre Tür jeden Abend von innen verschloss und den Schlüssel abzog, würde Mister Einbrecher nicht bis zu den Eltern vordringen können. Gitti streifte die kleinen Steinchen von ihren Fußsohlen auf dem Bettvorleger ab. Waschbecken hatte sie leider nicht, aber sie nahm ein Papiertaschentuch, tropfte alkoholisches Gesichtswasser drauf, verdünnte das Zeug durch Draufspucken und drückte das Tüchlein zwecks Kühlung in die geschwollene Spalte. Man wollte ja keine Pilze.
Dann brüllte sie durch die Tür:
"Ich bin schon da, gut'Nacht! Es ist alles in Ordnung. Ihr müsst mir halt nicht ins Gesicht starren, das macht mich nun mal nervös."
Sie sank ins Bett. So müde wie heute werde ich immer sein, wenn ich arbeiten gehe wie der, dessen Namen-ich-vergessen-hab-aber-ich-hab-ja seine Nummer. Bloß nicht an der Uni rumsitzen, bleich und rauchend und quatschend wie auf dem Gymnasium, wohin die Revolution übergeschwappt war! Diese neue Zeit wird diejenigen stürzen, die sich was einbilden, und die wirklich Tüchtigen werden aufsteigen.
Und sie würde sich dem Test stellen - lieber untergehen als unrechte Privilegien erben.

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