Das von H. G. Wells gleichnamigem Roman inspirierte Album ist das dritte, das Alan Parsons nun unter seinem Namen vorlegt. Das "Alan Parsons Project" gibt es ja in dieser Form seit einigen Jahren nicht mehr. Dieses war sehr stark von den Songwriting- und Gesangsqualitäten von Alan's kongenialem Partner Eric Woolfson geprägt. Zusammen haben sie noch am in Wien uraufgeführten Musical "Freudiana" gearbeitet, dann verlegte sich Woolfson nur noch auf den Musicalbereich (es folgten "Gaudi" und "The Gambler"), Parsons blieb dem Pop/Rock-Business treu. Und dieser ist schließlich kein Nobody: Er arbeitete bereits am "Abbey Road"-Album der Beatles als Studiotechniker mit, und gelangte vor allem als Engineer des Pink Floyd-Klassikers "Dark Side of the Moon" zu Weltruhm. Insgesamt wurde er 10 mal für den Grammy nominiert. Auch als Produzent war er gefragt, er produzierte u.a. "Pilot" (Magic, January), John Miles ("Music"), "Ambrosia" und den Al Stewart-Megaseller "Year of the cat".
1975 gründete er mit Woolfson das "Project", dessen Erstlingswerk "Tales of Mystery", eine Vertonung von Edgar Allen Poe-Geschichten, Aufsehen erregte. Die gekonnte Mischung aus Liedern und Instrumentaltiteln, Balladen und Rock, verschiedenen Sängern, und vor allem der abwechslungsreiche Sound, der Orchester, Synths und E-Gitarren eindrucksvoll verbindet, wurden auch auf den 9 folgenden Alben zum Markenzeichen der britischen Qualitätspop-Band. Auch einige Single-Hits (Don't answer me, Eye in the sky, Time, etc.) konnte man landen, so daß auch kommerzieller Erfolg nicht ausblieb. 40 Millionen verkaufter Alben sind angesichts der doch anspruchsvollen Musik und Texte schon beachtlich. Nach der Trennung wurde Parsons Vizepräsident von EMI und veröffentlichte "Try anything once" und "On Air". Nur dem Namen nach Soloalben, waren doch bis auf Woolfson alle wichtigen Personen mit an Bord, vor allem der Orchesterarrangeur Andrew Powell, der Drummer Stuart Elliott und der Lead-Guitarist Ian Bairnson. Letztere arbeiten schon seit "Pilot"-Tagen mit Parsons, und zeichnen auf "On Air" und "Time Machine" auch für das Songwriting verantwortlich.
Und dieses ist durchaus gelungen, auch wenn einem Woolfson immer noch etwas abgeht. Als Sänger konnten diesmal verpflichtet werden: Tony Hadley (von "Spandau Ballet"), Maire Brennan (von "Clannad"), Beverley Craven (hatte mit "Promise me" vor einigen Jahren einen Hit), Neil Lockwood (von "ELO II"), Graham Dye und Colin Blunstone (von den "Zombies"). Die letzten 3 sangen auch früher schon für Parsons. "Time Machine" ist ein sehr nachdenklich-ruhiges Album geworden, richtige Uptempo-Rocker oder Happysound-Pop findet man hier nicht. Aber für Freunde schön arrangierter und perfekt produzierter Balladen kann man es ruhigen Gewissens empfehlen. Fazit: Vielleicht nicht sein bestes, aber ein sehr gutes Album.
Anspieltipps: Ignorance is Bliss, Press Rewind
PS: Es gibt eine Japanpressung mit einem Bonustrack, die aber aufgrund des Aufpreises nur für eingefleischte Fans zu empfehlen ist.
PPS: Zur Orientierung eine, selbstverständlich subjektive, Schulnotenbewertung des Alan Parsons & Co. Backkatalogs:
Tales of Mystery: 2
I Robot: 2
Pyramid: 1
Eve: 1
Turn of a friendly card: 1+
Eye in the sky: 1+
Ammonia Avenue: 1+
Vulture Culture: 1-
Stereotomy: 3
Gaudi (Album, nicht das Musical): 2
Freudiana: 2+
Try Anything Once: 3
Gaudi (Musical): 3-
On Air: 2+
Time Machine: 2+
Es gibt auch eine Fülle von Compilations, zB die remasterte Doppel-CD "Definitive Collection" oder die "Anthology".
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