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Spieltrieb

Das Etablissement hörte artig auf den Rufnamen: die Fruchtbar. Ich bezweifelte schwer, dass die Damen, die hier redlich ihrem Nachtwerk nachgingen, diesen Zustand der weiblichen Natur besonders gutheißen täten. Und ich glaubte ebenso nicht, dass Männer, die hier einkehrten, jenen Zustand für gut befänden. Mal abgesehen, dass hier eh nichts ohne Gummi lief. Es war ein angesehenes Haus. Zumindest war es das früher, ich war lange nicht mehr hier gewesen.
Ich bestellte mir an der Theke ein Bier. Locker sah ich der rothaarigen Mittvierzigerin im hautengen Leoparden-Mini auf die Auslagen. Das war im Preis inbegriffen. Ebenso, dass schnell eine der Damen neben einem wäre. Fix gesellte sich denn auch schon eine dralle Blonde in Spitzendessous zu mir. Man sah ihr keine einzige der Nächte mit anderen Kerlen an. Ihre Reizwäsche und das schummerige Licht wirkten in Personalunion wahre Wunder. In dieser Art von Gastwirtschaft bekamen die Mädels Prozente vom Umsatz. Je teurer die Getränke, umso mehr stimmten die Einnahmen. Teurer meint übrigens Hartalk. Dass darunter die Leber bei Dauerberieselung zu leiden hatte, interessierte scheinbar nicht. Meiner Blonden hier sah man sowas nicht an! »Na, sooo alleine?« flötete sie mir ins Ohr.
»Will ich auch bleiben!« erwiderte ich barsch.
Sie war schnell von Begriff und stöckelte auf ihren Pumps und in dem klasse Fummel davon. Ich sah ihr nochmal auf den Hintern. Nicht schlecht! Ich hätte wetten können, der Ort ihrer Wollust sei einladend, später eng, dafür aber schön feucht und vor allem tief. Abgesehen davon war ich pleite. Das gerade bestellte eiskalte Blonde hatte ich noch in der Tasche, danach war Ebbe. Aber ich wollte mir das nun hier und jetzt gönnen. Der Rest war mir egal. Ich hatte drei Jahre sparsam gelebt und es doch nicht auf einen grünen Zweig gebracht, da konnte man auch einmal über die Strenge schlagen. Die Tante hinter dem Tresen brachte mir mein Getränk. »12 Mark!« Ein lapidarer Kommentar zu dem Schlammassel. Ich zahlte ohne mit der Wimper zu zucken. Sie lächelte mich an, als ich ihr den Schein und die beiden Markstücke in die aufgehaltene Hand legte. Ich sah mir an, wie sie geschminkt war. Make-up-Schichten. Zeichen eines wilden Lebens. Die hatte sicher nichts ausgelassen. Leider rächte sich das nun!
Mir kam die Idee, einfach zu fragen, ob sie auch heimlich Damenunterwäsche trug...aber da war sie schon weg. Ich trank an meinem Bier, das sogar nach was schmeckte. Dann sah ich mich um. Manche Kerle begrapschten die Mädels, sie hockten meist an Tischen. Die Frauen ließen es sich gefallen. Der schnöde Mammon lockte. Die Auswüchse der freien Marktwirtschaft einmal anders.
Ich mußte an alte Zeiten in der Glasfabrik denken. Das schlimmste waren die Touren, bei denen es rund ging. Die Kaffeekasse wurde zweimal im Jahr geplündert, die ganze Truppe zog dann los. Zuerst ging es gemütlich essen, danach war die Gemütlichkeit schnell vorbei und der Alkohol zeigte seine Wirkung. Es ging ab, ein Zug durch die Gemeinde, wie man so sagt. Enden tat es, einer Gewohnheit folgend, in einer Stripbar oder in einem Puff, manchmal auch in beidem. Da saß ich gerade. Den Job hingegen hatte ich längst geschmissen!
Spätestens, nachdem wir drei LKW-Ladungen Spiegel nach Thailand verkauft hatten, war mir aufgefallen, dass keiner sagen kann, er hätte keinen Dreck am Stecken. In den Spiegeln, die ich damals mit einem Handkran als Bandmaß auf den Kipptisch abgesetzt hatte und die dann am Fließband zu kleineren Karrees verarbeitet wurden... Nun, zwischen oder in denen konnte der Mann von Welt heute vielleicht einer 10-Jährigen dabei zuschauen, wie sie sich eine Buddha-Figur in die Scheide oder den After quetschte.
Mein Bier war halb leer. Hätte ich positives Denken geübt, irgend wann, so hätte ich gedacht, mein Bier sei noch halb voll. Aber mir ging dieses Buddha-Figur-Spielchen nicht aus dem Kopf! Aus einer der Ecken sah ich eine langmähnige Brünette hervor kommen. Sie trug einen langärmeligen Body. Was er an den Armen zuviel hatte, hatte er an Po und Hüften zu wenig. Der Hüftausschnitt war verdammt hoch ausgearbeitet, fast hatte ich Furcht, ihr würden die Brüste rechts und links aus den Seiten kullern. Der String zwischen ihren Backen würde mit der Umschreibung gewagt nicht trefflich beschrieben sein. Ihr Po wackelte beim Gehen etwas zu sehr. Vermutlich begann sie langsam, sich mit Pölsterchen zu schmücken.
Plötzlich wurde das Licht etwas mehr abgedunkelt. Auf einer Bühne, die mir jetzt erst richtig auffiel, gingen zwei Spotts an, in deren Lichtkegel eine schmale Farbige erschien. Der erste Eindruck, sie gehöre zur ersten Liga der Ausziehpuppen, wurde geblendet von ihren weissen Dessous. Je mehr sie ablegte, um so mehr verlor sie an Reize. Zumindest bei mir. Irgendwie sah sie nicht mehr ganz so frisch aus.
Als sie völlig nackt war, kamen zwei mit Muskeln bepackte Kerle in Strings auf die Bühne. Die Kleine sah sie und tat entsetzt. Langsam wurde es spannend.
Ich hatte immer gedacht, diese Bar hier sei ein übliches Lokal, etwas Anmache, etwas Striptease und im Hinterzimmer bisschen etwas Grapschen oder Sex. Scheinbar hatten sie aufgerüstet. Ich sah mich um. Alle Blicke waren auf die Bühne gerichtet. Zumindest die der Kerle. Ihre Mädels fummelten etwas an ihnen herum, so dass es im Rahmen blieb. Dann sah ich wieder zur Bühne. Mittlerweile stand da ein Käfig. Die Schwarze war darin eingepfercht. Das ging ja flott, schaut man mal eben nicht hin...
Drei Kerle waren mittlerweile auf der Bühne. California Dream Men! Zwei der beiden hielten ihre Schwänze von vorne durch die Gitterstäbe, die Farbige lutschte abwechselnd an den Dingern. Wenn sie einen richtig zwischen die Lippen und in den Mund nahm, fummelte sie dem anderen mit der Hand was am Gemächt. Keiner der beiden trug ein Kondom. Langsam wurden die Geräusche der Vier lauter als das Easy Listening-Gedudel aus den Boxen. Ansonsten war es ziemlich still. Der dritte Kerl stieß von hinten immer und immer wieder in die Kleine. Man konnte seinem Gesicht ansehen, dass er den schwierigsten Job hatte. Vielleicht auch nur zum fünften Mal an diesem Abend, es war schließlich schon spät. Die ersten Anfeuerungsrufe der Kerle an den Tischen begannen. »Macht sie alle!« rief einer und seine Tischnachbarin schien zu kichern. Es wirkte nicht echt, da war es schon echter, wie sie ihm mit ihren feingliedrigen, langen Fingern gerade den zweiten Knopf vom Hemd aufknöpfte und ihre Finger mit seiner Brustbehaarung spielen ließ. Mich erinnerte das an alte Pornofilme aus den 70er Jahren, vielleicht auch aus den Filmen von Russ Meyer. Mittlerweile grölten auch die anderen ihre Sprüche auf die Bühne. Der Kerl hinter der Schwarzen schwitze. Man sah ihm richtig an, wie verbissen er sich abmühte. Sie selbst lutschte die beiden mittlerweile wild. Man hörte sie deutlich schwer atmen, ab und an mischten sich Stöhnlaute hinzu. Ich griff zu meinem Glas, wollte etwas trinken, musste aber feststellen, dass das Ding leer war. Gedankenverloren sah ich auf das Leergut. »Fick sie wie der Teufel, Mann!« rief einer und endlich kam das, der mir noch gefehlt hatte. Die Farbige stöhnte und atmete schwer und sagte nur ein Wort, dieses aber drei Mal und, wie es schien, mit wachsender Begeisterung hintereinander. Zuerst leise, dann laut, dann schrie sie es: »Tiefer!« Ich sah ´rüber und einer der beiden, dem sie einen geblasen hatte, sabberte ihr gerade, wo sie seinen Kumpel weiter lutsche, Backe, Augen und Stirn wie auch etwas die Haare voll. Er spritzte ziemlich viel.
Im Hintergrund leuchtete plötzlich eine Neonschrift auf. Es stand nur ein Wort da, aber ich fand es mehr als passend: Samenzelle!

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