wir betrachten sie.
sie betrachtet uns nicht.
sie kann uns nicht atmen hören.
wir kennen ihren namen
elke heisst sie
wir betrachten ihren nackten rücken
sehen wie sie etwas sucht
einen gedanken sucht
vielleicht hat sich etwas entfernt
vielleicht sucht sie eine lösung
ist sie denn schön?
hmmm sie ist eine lichtgestalt
im sommer läuft sie barfuss durch die stadt
trägt lange hüte spazieren
ihre augen sind blau und eins mit dem meer
sie atmet leise
ihre augen können wir nicht sehen
warum spricht sie nicht?
im raum ist es hell
sie hat das fenster geöffnet
der abend hat gerade begonnen
er betrachtet sie wortlos
wie kommt er jetzt in den raum
schien es nicht so als seien wir ganz alleine mit ihr
"wo warst du denn?", fragt sie
guckt sich ihre füsse an
und
erwartet eine stimme
seine stimme
"wie lange sind wir schon zusammen", fragt er
er möchte jetzt vernünftig werden
das leben ist gar nicht so kurz
struktur muß rein in sein leben das jetzt auch ihres ist
man kann sich nicht entziehen
man ist ein teil dieser welt
sie lächelt
"früher" denkt sie
"hätte er mich umarmt
hätte mich gestreichelt überall
jetzt hat er sich an meinen körper gewöhnt
und atmet nur noch
ein und aus
ein und aus"
..
spinnweben hängen an der wand
"zieh dir etwas an, didi kommt gleich"
elke denkt gar nicht daran
sie hat so einen blick der die ferne ruft
"ich weiß nicht was ich anziehen soll."
er verdreht die augen
der ganze schrank hängt voller klamotten
da klingelt es
elke hat sich keinen schritt bewegt
es klingelt noch einmal
"zieh dir was über"
"warum?"
"weil didi kommt"
"na und?"
"du bist nackt elke"
sie schaut auf sich herab
tatsächlich sie ist nackt
nicht ganz nackt
aber immerhin nackt
man macht ein riesentheater um nackte menschen sobald man sie trifft
guckt in eine andere richtung
das in eine andere richtung gucken findet sie am schönsten
einmal ging sie mit einem fussballspieler zu einem spiel
es war heiss und die luft war dünn
elke zog sich ihr t-shirt aus
da guckte er in eine andere richtung
das fand elke so erregend
daß sie ihn aufforderte das fussballspielen sausen zu lassen
"ich muss aufmachen."
er schloss die türe
diddi und ingo sitzen in der küche
sie reden viel
trinken saft
diddi hat gras mitgebracht
"wo ist elke?"
das fragt diddi
und ingo antwortet
"in ihrem zimmer. sie ist nackt."
didi guckt verlegen in eine andere richtung
ach hätte das elke bloss sehen können
diddi nimmt rasch einen zug.
"ist sie ganz nackt?"
ingo wusste daß er das fragt
er hätte das auch gefragt an seiner stelle
aber er war nicht an seiner stelle
deshalb sagte er
"nein, vermutlich hat sie jetzt was angezogen."
"und vorher?"
"was willst du?"
diese frage klang gar nicht zornig
sie klang eher nach gar nichts
"ich würde sie schon gerne nackt sehn."
ingo lächelte.
"träum weiter. ich weiß schon daß du scharf auf sie bist.
bist nicht der einzige. Aber sie liebt mich und sie wird
mich nicht verlassen, sie wird mich auch nicht betrügen,
nicht mal im gedanken."
im gedanken hat elke schon mit vielen männer sex gehabt
auch mit frauen
gerade denkt sie daran
sie öffnet die türe
lauscht
die küchtentüre steht sperrangelweit auf
ingo lacht
er weiß gar nicht warum
diddi schweigt
er weiß warum
in der türe erschien ihm elke
ingo konnte sie nicht sehen
weil er zur türe stand
diddi hätte sie beinah auch nicht gesehen
weil er schnell weggeguckt hat
ingo hört auf zu lachen
guckt diddi an
dreht sich herum
da ist nur die weisse wand
diddi ist breit denkt ingo
lacht wieder.
diddi fragt sich warum ingo lacht
elke liegt auf dem bett und schreibt
diddi denkt an elke
denkt : wie schön sie ist
ingo denkt
das diddi bekifft ist
er muß den besten teil des joints erwischt haben
elke liegt noch immer auf dem bett
sie hat einen zettel aus dem fenster geworfen
diddi geht
er trägt seine augen spazieren
die sehen ein papier auf der strasse
elke schaut aus dem fenster
"komm" ruft sie
er schaut nach oben
ach
denkt er
wie sie ihn betrachtet
als ob er eine wolke sei und sie sei der ganze himmel
er möchte stehenbleiben
ihr winken
etwas zurufen
aber sie hat "komm" gerufen
elke lächelt
sie schaut ihn an
und überbrückt das warten mit leichten fantasien
ihr freund schläft
hastig schleicht sie sich hinaus
öffnet die wohnungstüre
sie hält einen finger vor dem mund
still soll er sein
sie nimmt seine hand
führt in ihr zimmer
dort liegt ihr freund und atmet
dessen freund atmet auch
aber aufgeregt
er möchte zurück
oder wenigstens etwas sagen
zu wem soll sein freund gehen
wenn er ihn betrügt?
elke legt sich ins bett
er steht da und sieht woanders hin
sie hat es genau gesehen
jetzt will sie ihn wirklich haben
er möchte gerne etwas sagen
aber er muß ja still sein
er zuckt mit den schultern
sie betrachtet ihn
"komm" gibt sie ihm zu verstehen ohne etwas zu sagen
ach wie wunderbar sie ist wie einzigartig
zentimeter trennen ihn von ihr
zieht sich seine völlig unnötigen klamotten aus
hmmmmmmmmmmmmm
wie schön haut sein kann
sie spürt es ganz
er schaut immer wieder hinüber
schau mich an
ruft sie ihm mit einem blick den er selbst sieht wenn er sie nicht
betrachtet
er zittert
ängstigt sich
das alles bringt sie ganz um den verstand
sie nimmt seine hände
hmmmmm
süße leidenschaft
seine ängstlichen augen fallen wie schweissperlen
er versinkt in ihr
es ist als habe er ein schloss erreicht
ihre augen fallen zu
er streichelt ihren körper
warm ist der und leicht wie der leise gedanke an eine flucht
sie stöhnt so leise in die stille hinein
nur ingos atmen stört ein wenig
kann er nicht leiser sein?
am nächsten morgen wacht sie auf
diddi ist lange weg
pfeilspitzen verfolgen ihn
sie steht auf
und schnappt sich die tasche
packt das nötigste ein
nein
zu diddi wird sie nicht gehen
das nächste mal wird er nicht weggucken
hmmmmmmm
süsses erinnern
das ist mehr als bleibt
augen die aussehen wie eine umarmung.