Literarisches / Absurdistan - Der Wochenrückblick Für Zugestiegene: Startseite 
[Zeit für ein Gedicht?] [Gäste] [LiteraturWettbewerbe] [Veranstaltungen] [LiteraturChat] [Buchwelt] [Allerlei & Tipps] [Absurdistan - Der Wochenrückblick]


 Der neueste Beitrag:
 wähle hier

 Ältere Beiträge

Werbung:
Bist Du Single? Suchst Du einen netten Partner? Hier warten über 390.000 aktive Mitglieder auf Dich. Melde Dich jetzt an!
Auftragsgedichte:
Du möchtest Deine/n
Liebste/n überraschen?
Jeder Euro rettet Kinderleben!

Mein Nachbar... © Teil II
von Uldo Posch

...am nächsten Tag glaubte ich, alles sei in Butter mit Luis, Helene und den lieben Kinderchen. Doch weit gefehlt. Das Fischglas brodelte! Was war geschehen? Mein Nachbar rief mich an und hörte sich verstört an. „Komm´ mal rüber und schau dir die Sauerei hier an." Ich eilte die wenigen Schritte hinüber und es bot sich mir ein grausames Bild. Goldfische, große und kleine, alle waren sie tot. Luis lag auf dem Fußboden und seine Augen waren erstarrt. Im runden Glas lagen die anderen Fischleiber am Grund ihrer Weltkugel und befanden sich bereits im Nirwana, soviel stand fest.
„Um Himmels Willen" fragte ich Uwe, „was ist denn hier passiert?" Er ließ sich in seinen Sessel auf der Terrasse fallen und ich setzte mich ebenso. Dann begann er mir zu berichten.
„Weißt du", sagte er, „ich saß die ganze Zeit hier und wollte gerade ein Nickerchen machen, da hörte ich plötzlich Luis wieder und wieder sagen: Nein, nein und nochmals nein, ich heirate dich nicht Helene. Ich habe es dir so oft gesagt, die Wohnung ist feucht und überhaupt fühle ich mich noch nicht reif für die Ehe. Die Kinder versteckten sich hinter dem versunkenen Schatzschiff und waren mucksfischchenstill. Das Wasser bebte und zwischen beiden entbrannte ein heftiger Streit. Helene attackierte ihren unehelichen Lebensabschnittfisch von allen Seiten, woraufhin Luis parierte und überflüssige Bewegungen aufführte, die dazu beitrugen einen Sturm im Fischglas zu entfachen. Das Schatzschiff erhob sich von den wilden Verfolgungsjagden majestätisch um in dem Strudel den Luis und Helene verursachten, noch einmal für einen Augenblick an die Oberfläche zu gelangen und drehte sich wie ein Brummkreisel um die eigene Achse, während ein Pirat an Deck erschien um kurz Luft zu holen. Als er gerade etwas rufen wollte soff er in fließendem Spanisch zum wiederholten Male ab. Dass Katzfisch und Mausfisch Spiel neigte sich dem Ende zu, während sich die Fischkinder in dem Schiff drehten wie in einer Wäscheschleuder und dabei grünen Brooke Bond - Home Cup - Eastern Kenya Highland Tea kotzten. Sie sahen echt übel aus.
„Und warum hast du nicht hineingegriffen, fragte ich meinen Nachbarn. „Na" das wollte ich ja, entgegnete er, doch habe ich mich an einem der Maste von dem blöden Schatzschiff verletzt und mir den Finger blutig gestochen, daraufhin ist mir ein Tropfen Blut in das Glas getropft und wie aus dem Nichts kam plötzlich ein Hai herbei, schwamm haarscharf an meiner Hand vorbei und verschwand wieder. Da habe ich erst mal ganz schnell meine Finger aus dem Spiel gelassen. Denn Luis drohte seiner Helene an, das etwas Furchtbares geschehen würde, wenn sie nicht auf der Stelle Schluss mit dem Theater machen würde.
Er brüllte sie an: Ich lass´ gleich einen... zu spät. Er tat es und furzte mitten in den Dunstkreis seiner Liebsten. Helen schwamm direkt hinein und war in einer tischtennisballgroßen, übelriechenden toxischen Blase gefangen. Die Kinder schnappten nach Luft und das Wasser hatte bereits eine grünrötliche Farbe angenommen, die nichts gutes erahnen ließ.
„Ich verlasse euch und will endlich frei sein" rief er seinen Kindern noch zu, doch Helene, die unter schweren Atemstörungen zu leiden schien, würde es nicht mehr lange machen, darauf deutete auch ihr Verhalten hin. Anfänglich noch wild in dem Furz fuchtelnd, versuchte sie sich im luftarmen Raum vorwärts zu fächeln um eventuell die Glaswand zu erreichen. Sie hoffte wohl durch einen Aufprall ihrem, todbringendem Gefängnis entkommen zu können, doch blieben ihre Anstrengungen umsonst und sie konnte nur auf ein Wunder hoffen. Die Gase allerdings waren so stark, das selbst bei einem plötzlichen Aufbrechen der Wand, alle Hoffnung auf ein normales Weiterleben zunichte machte. Das wusste Luis wohl und sprang in die Freiheit, während die stinkende Blase mit ihrer tödlichen Fracht am kleineren Mast des Schatzschiffs tatsächlich zerplatzte und die ausströmenden Gase das Leben der Fische in der Glaskugel auslöschte. Der Pirat war ja schon tot und der Hai hatte sich glücklicherweise vorher aus dem Staub gemacht, er hatte wohl den Braten gerochen.
Nur Luis tanzte noch vergnügt eine Weile auf dem Steinfußboden, bis er sich vor Erschöpfung schlafen legte. Hauptsache in Freiheit, war sein erster Gedanke und ich? Ich erwachte und kochte mir erst mal einen starken Kaffee, ich mag keinen Tee!
Herzlichst, Ihr
Uldo Posch

E-Mail: info@uldoposch.de

Homepages:
www.uldoposch.de
www.evas-garden.de

Bevor Du weitersurfst möchtest Du Dich möglicherweise noch ins Gästebuch eintragen?

Werbung:

Mitarbeit...
Du willst diese Online-Zeitung mitgestalten? Schick mir Deine Gedichte, Kurzgeschichten, Buchbesprechungen, Kritiken, Lobeshymnen - oder vielleicht ganz was Neues? Erlaubt ist, was Spaß macht und keinen kränkt oder geschmacklos ist.

Schreib', was Dich bewegt: leitner@wiend.at


http://www.wiend.at
E-Mail:leitner@wiend.at