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Hinter Aphrodites Augen
Vom Schönheitsempfinden blinder Frauen

Hrsg.: Jennifer Sonntag

Die Darstellung von Ästhetik zielt auf die Macht der Bilder, wir alle sind Sklaven des allgegenwärtigen visuellen Blendwerks. Längst sind optische Fassaden in dieser Welt wichtiger als das Fundament, ganze Lebensinhalte werden darüber definiert. Ganze Karrieren gründen sich auf Aussehen, ganze Industrien verkaufen die Illusion von ewiger Schönheit. Müßig sich vorzustellen: Was wäre wenn? Was, wenn man zum Wanderer im Nebel wird, sich und andere nicht mehr sehen kann? Für die Protagonistinnen dieses Buches ist dies keine rhetorische Frage, kein Selbsterfahrungstripp auf Zeit, sondern eine erzwungene Neuorientierung für ein Leben in Version 2.0. Sowohl geburtsblinde als auch spät erblindete Frauen verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft schildern in der vorliegenden Anthologie, was für sie ganz persönlich Schönheit ausmacht. Was ist Schönheit ohne "Schauen"? Hier findet man und vor allem Frau vielfältige Antworten darauf. Auch darauf wie, die Balance gelingt, auf der einen Seite die Vorzüge des Sehens nicht mehr zu genießen, andererseits sich aber in einer Welt zu behaupten, die von Visualität geprägt, ja fast schon terrorisiert wird. Klinkt man sich als Nichtsehender optisch aus? Wird man zum zynischen Verweigerer? Mit Nichten! Blinde Frauen sind auch "Fashionvictims", wollen gefallen und finden Gefallen an schönen Menschen. Nur die Reihenfolge der Wahrnehmung des Gegenübers ist eine andere. Besonders viel Charme hat die Vorstellung, dass in einer Welt, in der Niveau wichtiger ist als Nivea, Botox-Beautys ganz "schön" alt aussehen. Das Buch ist kein Statement der Verweigerung, sondern der Emanzipation: "He seht her, wir sind nicht die betongrauen Mäuse - wir sind schön!"
Ganz klar wird dem Leser, dass es keine Welt der Blinden gibt, sondern das wir alle in der selben Welt leben. Und die Autorinnen lassen sich nicht an den Rand drängen, vielmehr laden sie Sehende dazu ein, der visuellen Sicht auf die Umwelt neue Fassetten hinzu zufügen.
Ein Buch, das Betroffenen Mut macht, das Licht am Ende des Tunnels wenn schon nicht zu sehen, dann aber wohl hören, fühlen, riechen und schmecken zu können. Und dieses Buch birgt überraschende Einsichten für die, die durch optische Illusionen den Blick für das Schöne verloren haben. Vielleicht regt es auch an, den eigenen Schönheitsbegriff kritisch zu hinterfragen. Denn: "Die Sehenden sind taub in den Augen der Blinden"(Tom Manegold).

Dirk Rotzsch

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