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Burckhard Garbe

Locus masculinus

Dies ist kein locus amoenus, kein lieblicher ort, beileibe nicht; kein kürort dies, sondern ein ort der pflicht: mann muß.

Und wie! Und wie sie müssen, die männer, die da ununterbrochen in unterbrochener reihe stehen, eine phalanx der rücken, mit lücken, ein ständiges kommen und stehen und drehen und gehen, immer das gleiche, alle wollen das gleiche, natürlich, natürlich kommt ihnen die natur, der drang drängt sie in dieses nebeneinandergedränge, schuh und schuh steht an nebenmannschuh und nebenmannschuh, die beine darüber bilden ein A, viele As nebeneinander: AAAAAAAhh, tut das gut, hier zu stehen, endlich zu stehen hier, und nichts mehr zu müssen als nur noch zu müssen, zu dürfen, müssen zu dürfen: AAAAAAAhh, tut das gut!

Welch ein unterschied: wie sie herankommen, hastig, gequält, beengt, im trippelschritt manchmal, die hand bereits unterwegs zur hose, zur hosenmitte, die hand schon dort vorn, die finger am zipper oder am obersten knopf, vielleicht der schon geöffnet, so kommen, so eilen sie her. Sehnsucht zeigen ihre züge: anzukommen, hinzugelangen, rechtzeitig, und platz zu finden; denn jetzt wird es zeit, es ist zeit, mehr zeit ist nicht.

Und dann die erlösung, geschafft!, mann steht, man steht da, wo man wollte, tut das, was man wollte, kann endlich tun, was man wollte, mußte, muß. Die gesichter entspannt, die züge gelöst, gelockert, locker, heiter fast, ruhe breitet sich aus, zufriedenheit, stille, nur ab und zu hört man ein plätschern, geradezu fröhlich, da freut sich das ohr, aber die nase warnt: ein locus amoenus, ein lieblicher ort, ist das doch nicht, beileibe nicht!

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