Wie Alles Begann - aus: Malu ... oder ... wie er die Welt veränderte (Romanausschnitt)
OoIII
47. Kapitel
(Vor langer Zeit, es ist schon so lange her, daß es eigentlich gar nicht mehr wahr sein dürfte, da gab es einmal einen lieben, kleinen und überaus gutmütigen Riesen namens Dadadas.)
Eines Tages geschah es doch einmal. Die Sonne hing so lustvoll, wie eine goldene Scheibe es nur tun kann, friedlich am blauen, blank geputzten Himmel. Der Mond hatte sich gerade leise verabschiedet, um seinen Weg auf der anderen Seite der Erdkugel fortzusetzen. Der Auerhahn konnte sich noch nicht entschließen, ob er schon krähen sollte oder nicht. Kurz zusammengefaßt, alles ringsherum wirkte so sanftmütig, so friedlich und so unschuldig, wie schon die zahlreichen Tage, Jahre, Jahrzehnten oder Ewigkeiten zuvor.
Trotzdem geschah es.
Ohne jede Vorwarnung.
Dieses spezielle Ereignis war eingetreten und nicht mehr wieder zu verändern oder zu verdrängen. Jenes damals ungewöhnliche Vorkommnis würde das Land nachhaltig verändern und nichts würde mehr so bleiben, wie es seit Urzeiten vorzufinden war. Die Welt würde zwar nicht aufhören, sich zu drehen und die Götter hatten trotzdem nicht vor, den Himmel für einen Besuch auf der Erde zu verlassen, denn dazu nahmen sie den Planeten noch zu wenig ernst, aber einmal geschehen, war es nicht mehr rückgängig zu machen.
Buxi, der achtzehnjährige Sohn von Bula und Naxi hetzte zum prunkvollen Palast des Königs.
- Das wäre an und für sich noch gar nicht so ungewöhnlich. -
Der junge Mann entpuppte sich als eine außergewöhnliche Erscheinung, wenn man sich näher mit ihm befaßte. Nein, nicht weil er so riesig groß wie alle anderen gewachsen war. Auch nicht, weil er eine schlanke und ranke Gestalt sein eigen nennen konnte und problemlos als guter Jäger durchgehen würde, obwohl er noch nie ein Tier getötet hatte. Ebenfalls nicht, weil er mit einem edlen Gewand bekleidet war, bestehend aus feinsten, dünnen Fellen von heimischen Tieren - solche wallenden, sorgfältig gearbeiteten Kleider zog in der kühleren Jahreszeit fast jeder an - sondern, weil er im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen hier einen blonden Schopf sein Eigen nennen konnte. Der größte Teil der Einwohner mußte sich mit schwarzem Haar zufrieden geben, was natürlich auch nichts Schlechtes bedeutete. Buxi jedoch stach überall mit seinem hellen Haupt heraus. Er besaß aber noch andere Vorzüge. Er galt als äußerst klug, wußte sich immer zu helfen, wenn er in Bedrängnis geraten war, bot aber auch den anderen seine Dienste an, wenn sich Not am Mann oder an der Frau zeigte. - Das war es aber auch nicht, was die Welt fast aus den Angeln heben sollte. -
Diesmal zerbrach sich Buxi aber offensichtlich doch einmal seinen Kopf wegen eines Problems, das zu lösen er im Moment nicht im Stand war. Dieser Eindruck wurde zumindest erweckt und wenn es nicht so war, dann konnte er sich gut verstellen. Eine ganz neue Situation für ihn, aber alles mußte das erste Mal geschehen. Deshalb raste er wohl vorläufig erst einmal nicht völlig planlos dahin, so als ob er von furchterregenden, zähnefletschenden Werwölfen, die es damals noch vereinzelt gab, verfolgt werden würde.
Die Tierwelt von dieser schon längst vergangenen Zeit zeigte sich noch um einiges vielfältiger als heutzutage. Niemand wollte auch nur im Traum daran denken, daß er dazu fähig wäre, und das es einen Sinn ergebe, die Flußpferde, Tapire, Elefanten, Krokodile, Wildpferde, Wühlmäuse, oder auch nur die Fliegen und Werwölfe auszurotten. Dazu waren sie, die Nutzer - aber nicht Beschmutzer - des Landes viel zu friedfertig. Man tötete nur, was man unbedingt für Nahrung und Kleidung brauchte und dabei hatten die Bewohner dieses großen Landes oft schon Gewissensbisse. Die Welt mit all ihren Tieren, Pflanzen und Dingen war ein Geschenk der Götter und solche edlen Gaben zerstörte man nicht so einfach.
Buxi hatte sein schier selbstmörderisches Tempo noch immer nicht verlangsamt. Im Gegenteil. Er wurde immer schneller und schneller. Er lebte leider ein paar Jahrtausende zu früh, denn sonst wäre er reif für die Olympischen Spiele gewesen. So aber passierte er nur in Windeseile das mächtige Haupttor des fast schon protzig wirkenden Bauwerkes.
- Wird das Geheimnis jetzt endlich verraten? -
Der Sitz des Königs erwies sich wahrlich als ein Meisterwerk der damaligen Architektur. Die mit einer gleichmäßigen Goldschicht versehenen Steinmauern glänzten in der aufgehenden Sonne und strahlten mit den silbernen Türen und Fensterstöcken um die Wette. Zusammen mit dem grünlich schimmernden Kupferdach verbargen sie zwar die herrlichen Innenräume, aber sie ließen schon auf deren unbeschreiblichen Schönheit schließen. Vierhundert Zimmer konnte das Herrscherpaar mit seinen zahlreichen Hausangestellten teilen.
Die Unterkünfte und Arbeitsräume der Dienstmägde, Diener, Köche und sonstigem Personal waren schlicht und einfach gehalten. Hier hatte man gespart, wo man nur konnte. Doch die Residenzsäle und Privatgemächer von den Obersten der Obersten waren an Schönheit und Glanz nicht zu übertreffen. Die meisten Zimmer besaßen Fußböden aus Mahagoniholz oder rotem Marmor. Die Wände waren oft mit Mosaiken aus zahlreichen Edelsteinen wie Saphiren, Opalen oder Diamanten verziert. Dazwischen gab es nicht selten wunderbare Gemälde (Erdfarbe auf Holzbrett) von namhaften Künstlern (Leno, Gusa und sogar ein echter Hali waren darunter zu finden.) und die Schlafplätze waren nicht mit gewöhnlichem Leinen überzogen, sondern mit feinstem Tuch, gewebt aus der Wolle der in freier Natur so selten und in Gefangenschaft gar nicht vorkommenden rosaroten Wildschafe. Aus diesem auf der Haut kratzendem aber dafür um so wertvollerem Stoff waren sonst nur noch die Feiertagsgewänder des Herrschers beschaffen.
Doch für all diese Schönheiten hatte Buxi jetzt kein Auge offen, geschweige denn zwei. In seinem Hirn hämmerte nur ein einziger Gedanke, der ihn unweigerlich immer weiter vorwärts trieb. Er wollte schnellstens das Oberhaupt des Landes aufsuchen und niemand hielt ihn auf. Viele Bewohner, die zufällig auf der Kopfsteinpflasterhauptstraße ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgingen, oder mittels hölzerner Fuhrwägen mit vorgespannten Wildpferden unterwegs waren, schauten ihm verdutzt nach. Doch keiner kam auf die wahnwitzige Idee, sich ihm in den Weg zu stellen, obwohl er offensichtlich die Absicht hatte die Räume des Obersten ohne jede Scheu zu betreten. War denn niemand um das Wohl der Mächtigen dieses Landes besorgt? Hatte keiner vor einem hinterhältigen Meuchelmord, einen Sprengstoffanschlag oder Staatsstreich Angst? Nein! Das kannte man damals alles noch nicht.
Nur der Hofnarr, der nicht ganz richtig im Kopf war - der Meinung waren zumindest ungefähr 99,999995 % der Mitbürger dieses Reiches - schenkte ihm kurz seine Aufmerksamkeit:
"Bist du wieder einmal in großer Eile.
verbleibe doch bei mir für eine Weile.
Wollen gemeinsam über Scherze lachen
und unternehmen gar lustige Sachen."
- Wie lange muß man denn noch warten? -
Er, Dinu, der als ziemlich klein vom Wuchs galt und überhaupt ein schmächtiger Zeitgenosse war, hatte als einziger nicht der Königsfamilie angehörender, das Recht, sich ständig in den privaten Gemächern der Regierenden aufhalten zu dürfen. Er stellte den Kasperl, den Scharlatan dar, der sich für die erhoffte immerwährende gute Laune des Herrschers und seiner Familie verantwortlich zeigte. Er kleidete sich immer in bunte Sachen, soweit es sie gab, das bedeutete hellbraun, dunkelbraun, schwarz sowie grau und auf seinem Kopf trug er stets eine lederne Zipfelmütze, an deren Ende eine Schelle baumelte.
Niemand wußte, warum er, der Regent des riesigen Reiches sich vor zwei Jahren diesen fröhlichen aber oftmals auch sicher lästigen Zeitgenossen so überraschend zugelegt hatte. Aber man mußte es dann doch einsehen. Bei den mannigfaltigen Problemen die Tag für Tag auf einem zukamen, da brauchte man einen Spaßmacher, der einem all die kleinen und großen Sorgen wieder für kurze Zeit vergessen ließ. Anstellen konnte Dinu sowieso wenig, weil mit seiner spärlich vorhandenen Intelligenz besaß er einfach nicht die Fähigkeit, etwas Gefährliches oder sogar Staatsbedrohendes anzurichten.
Im Vorbeihetzen stieß Buxi zwar nicht mit Dinu zusammen, dafür aber zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: "Laß mich doch in Ruhe", und fort war er. Er hatte im Moment keine besondere Lust auf irgendwelche Späße. Weiter gings. Warum hätte man ihn auch stoppen sollen? Keiner mehr kannte offene und sinnlose Gewalt in irgendeiner Form. Deshalb glaubte auch niemand an ein Attentat, welches den allmächtigen König Lanu und seine liebe Gattin Raga auf grausame und unnatürliche Weise hätte dahinraffen können. Die Bewohner des Landes waren in der Regel feige und mutlos. Keiner krümmte einem anderen ein Haar, aber auch nicht mehrere. Sogar Tiere brachten sie, wie bereits erwähnt, nur mit größtem Widerwillen mittels Fallen um, weil Vegetarier wollten sie doch nicht werden. Das galt schon seit Urzeiten als ungesund.
König Lanu war vor ungefähr 25 Jahren zum uneingeschränkten Regenten des mächtigen Landes bestellt worden. Er galt als weise, gütig, vernünftig und hatte nicht nur ein Ohr für die Probleme seiner Untertanen und Mitmenschen offen, sondern zwei. Aber er stellte auch einen herzensguten Ehemann und Vater dar. Er frönte nur einem Laster.
- Wen interessiert das? -
Er aß gerne gut und viel, machte aber dafür fast keine körperlichen Anstrengungen durch. Er lernte nie das Fallenstellen und hatte auch von der praktischen Landarbeit wenig Ahnung. Jegliche sportliche Betätigung zwecks Fitneß war ihm fremd. Er beschränkte sich lediglich auf das Lösen von Problemen und sonstigen geistigen Tätigkeiten, die aber nicht besonders dazu beitrugen, rank und schlank zu bleiben. Das hatte zur Folge, daß er ziemlich mollig wurde, um nicht sagen zu müssen, regelrecht dick geriet. Seinen aus den Fugen geratenen Körper versteckte er gerne in den kostbarsten, ebenfalls aus besten Fellen oder aus Flachs bestehenden, wallenden Gewändern, die mit goldenen Fäden durchzogen und kleinen Edelsteinen bespickt waren. Da er aber der König war, trug man ihm sein feinschmeckerisches Laster nicht weiter nach.
Auch war er einer der kleinsten unter den Bewohnern, er maß vom Scheitel bis zur Sohle nur 192 cm, was ihm sicher viele Spötteleien eingebracht hätte, wenn er nicht diese hohe Machtposition bekleiden könnte. Doch so kam niemand auf den Gedanken auch nur ein schlechtes Wort über ihn zu verbreiten. Schließlich war schon damals kein Mensch auf dem Planeten fehlerlos und er löste die diversen Regierungsaufgaben zur vollsten Zufriedenheit aller.
Als engster Berater stand ihm lediglich der weise Tera zur Seite, der auch schon seinem Vater gedient hatte. Für die besonders kniffligen Fragen holte er sich immer die Meinung des alten, aber noch lange nicht verkalkten Ratgebers ein.
Der Weise galt als das genaue Gegenteil von König Lanu, denn er war dürr und lang und hielt außerdem nicht den Regierungsstab in seinen Händen. Man könnte ihn mit einer Bohnenstange verwechseln, wurde hinter seinem Rücken so manches Mal gewitzelt. Der Untertan des Volkes, Lanu, konnte nicht draufkommen, warum es sich so verhielt? Er hatte mit einer Pflanze wenig gemeinsam.
Tera wußte es. Er absolvierte jeden Morgen, noch bevor der Herrscher sich schwerfällig aus seinem Nachtlager erhob, einen ausgiebigen Waldlauf. Auch aß er lange nicht so viel wie der König und hatte einen ausgeprägten Sinn für Sparsamkeit, was sich auf seine Ratschläge und seine fast schon schäbig zu nennende Kleidung stark auswirkte.
Ja, und da war noch Raga, die Frau von Lanu. Sie war bildhübsch. Eine wahre Schönheit. Keiner wußte, wie der Oberste des Landes zu so einer wunderbaren Angetrauten kommen konnte. Hatte sie es damals nur auf seine zu erwartende Machtposition abgesehen oder hatte sie seine besonderen inneren Qualitäten schon in so jungen Jahren entdeckt, als er noch gar nicht das Reich in Güte führen durfte. Das blieb wohl für immer ihr kleines Geheimnis. Jedenfalls liebte Raga das Volk und dieses liebte wiederum die Gutherzige, fast noch mehr als ihr Oberhaupt. Nur ein kleiner Wehrmutstropfen trübte ihre Herzensfreude. Sie durfte sich nur als Statistin ohne weltbewegende Aufgaben betrachten. Die Emanzipation des „schwachen Geschlechtes“ war noch nicht sehr weit gediehen, um nicht behaupten zu müssen, sie existierte praktisch überhaupt nicht. Falls ihrem Mann irgend etwas zustoßen sollte, das seinen Tod zur Folge hätte, dann wäre die prunkvolle Zeit auch für sie aus und vorbei. Denn der älteste Sohn, falls ein solcher vorhanden sein sollte, wurde sofort zum Nachfolger bestimmt. Wenn es einmal keinen männlichen Stammhalter geben dürfte, dann wäre der Herrscher verpflichtet, noch zu seinen Lebzeiten willkürlich ein neues Oberhaupt für das Land auszusuchen, von dem er überzeugt war, daß er der verantwortungsvollen Aufgabe, nämlich ein mächtiges Reich zu regieren, gewachsen wäre. Doch zum Glück war bis jetzt dieser Umstand wie durch ein Wunder noch nie eingetreten.
So stand Buxi schließlich wild keuchend, verschwitzt und völlig ausgelaugt vor seinem Herrscher.
- Jetzt kommt's. Wirklich! Paßt auf. -
"Mein Gebieter, mein Untergebener der Natur, allmächtiger König, höre mich bitte an. Etwas wirklich Schreckliches ist vorgefallen. Ich kann es noch immer nicht fassen. Es ist so unglaublich und seit langem nicht mehr dagewesen. Wie soll ich es dir nur beibringen? Also gut, sei's drum. Ich sag's einfach. Mein langjähriger Freund Malu, mit dem ich meine Kindheit verbrachte, der mir in allen Lebenslagen hilfreich zur Seite stand, mit dem ich jedes Problem in Ruhe besprechen konnte, mit dem ich Wildpferde stehlen gehen, oder einfach die Wolken am Himmel betrachten konnte, er befindet sich nicht mehr unter den Lebenden. Er ist eines gewaltsamen Todes gestorben. Viel zu früh dahinscheiden mußte er."
Das weise Oberhaupt des Reiches schwieg angesichts der Tragweite des soeben Gesagten betroffen, bevor der König seinen Gast fragte: "Bist du dir da absolut sicher? Gibt es nicht den geringsten Zweifel, daß du dich vielleicht geirrt hast? Handelte es sich möglicherweise nur um eine optische Täuschung, der du da unterlegen bist? Vielleicht ist er nur von einer harten Arbeit erschöpft und schläft sich deshalb aus? Zugegeben, vielleicht an einem bißchen ungewöhnlichen Platz und in einer seltsamen Stellung, wie ich vermute. Denn sonst wärst du ja nicht so aufgeregt."
"Nein, so verhält es sich aber nicht! Es ist wirklich wahr, was ich behauptet habe. Er ist mausetot. Erschlagen mit einem schweren Gegenstand, vermutlich einem großen Stein", antwortete Buxi.
"Es gibt bei uns doch schon lange keine körperlichen Grausamkeiten mehr, geschweige denn Mord. Wer sollte so eine kaltblütige Tat überhaupt noch fertigbringen? Ich glaube, du träumst", meinte Lanu.
"Folge mir! Ich werde dir beweisen, daß meine Behauptung den Tatsachen entspricht. Gib mir die Gelegenheit, dir zu zeigen, wo es geschehen ist."
"Na gut. Ich werde dich begleiten, obwohl ich mich heute nicht besonders wohl fühle."
Er verschwieg seinem Gast, daß er hoffte, nicht all zulange fernbleiben zu müssen, da ihn starker Durchfall quälte. Er hatte wohl eine dieser lästigen Erkältungskrankheiten erwischt, denn husten mußte er von Zeit zu Zeit auch. Außerdem tat ihm jeder Muskel weh und konzentrieren konnte er sich ebenfalls nicht richtig. Es war schon ein kleines Wunder, daß er heute den Ausführungen Buxis so aufmerksam folgen konnte. Eigentlich sollte er das Bett hüten, aber die Regierungsgeschäfte mußten weiterhin erledigt werden. Er war zu stolz, um sie an Tera zu delegieren. Warum war er nur so dickköpfig? Wenigstens hatte er in den letzten Tagen ein bißchen abgenommen. Er war sowieso immer ein wenig zu füllig gewesen. Das gab sogar er zu. Wohlstandsspeck.
"Aber ich hoffe, daß du dich doch geirrt hast. Keine Angst, dir wird nichts geschehen, falls du unrecht hast. Jeder macht einmal einen Fehler. Dieser Gedanke ist so ungeheuerlich. Ein solches Verbrechen! Das kann einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Doch du sollst die Chance bekommen, mich eines besseren zu belehren. Gehen wir!"
In diesem Moment stieß Dinu, der Hofnarr, zu ihnen. Er konnte wohl einen sechsten Sinn sein Eigen nennen, der ihm vermittelte, wann er gerade nicht auftauchen sollte und es gerade dann tat. Er schüttelte den Kopf - war das der Vorgänger des Hadbangings? - worauf sein Glöckchen hell erklang und fragte auch sogleich:
"Was ist denn hier schon wieder los.
Legt das Geheimnis vor mir bloß!
Ich will es doch auch erfahren.
Könnt ihr es mir offenbaren?"
"Nein, können wir nicht, Dinu. Laß mich doch einmal in Ruhe", seufzte der Herrscher, "ein andermal darfst du mich wieder aufheitern, doch jetzt müssen wir schnell etwas erledigen. Buxi, komm!"
So machten sich die beiden auf den Weg. Der König mit einem seiner Untertanen. Lanu mit Buxi. Sie nahmen keine Wildpferde, weil der Weg nicht weit sein würde und sie zu faul waren extra zu den Stallungen zu gehen, um Reittiere zu ordern. Es wäre ein zu weiter Umweg gewesen.
Dann ging es über Stock und Stein, querfeldein, in den Wald hinein und auch wieder hinaus, bis die beiden schlußendlich den Unglücksort erreichten.
Es handelte sich dabei um eine Waldlichtung, eine Schneise, die die Baumreihen unterbrach. Eine Stelle, wo der Jüngling der Jungfrau einen Heiratsantrag machte, oder ein einsamer Wanderer seine Mittagsvesper einnahm, doch kein Platz zum Sterben, geschweige denn für einen kaltblütigen Mord.
"Das ist ja schrecklich!" entfuhr es dem Herrscher, als er Malu in seinem eigenen Blut daliegen sah. Was die gelbe Substanz rings um den zertrümmerten Hinterkopf herum darstellen sollte, daran wollte er gar nicht denken, während er nervös von einem Bein aufs andere trat.
"Furchtbar", pflichtete ihm der Junge bei.
"Grauenhaft."
"Herzzerreißend."
"Wahnsinn."
"Noch nie dagewesen."
"Aber doch machbar geworden."
"Eine Herausforderung."
"Welche Folgen wird das haben?"
"Wir suchen den Schuldigen und stellen ihn zur Rede."
Nach diesem aufschlußreichen Dialog blieben sie noch eine Weile andächtig beim blutbesudelten Tatort stehen, schlossen dem Opfer, welches scheinbar feige von hinten erschlagen worden war, die Augen und kehrten kurz darauf wieder zu ihren Zeitgenossen zurück.
Diese nahmen die schreckliche Nachricht natürlich mit großer Bestürzung auf und alle fragten sich: "Was sollen wir tun?"
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