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Das diabolische Experiment
Jürgen Heimlich

Was ist von einem Roman zu halten, der zumindest teilweise recht schwer zu lesen ist? Davon können sich freilich am Ende nur die Leser selbst ein Bild machen. Das ist jedenfalls kein Buch, das man so mir nichts dir nichts in einer Nacht oder an einem Tag auslesen kann, zumindest denkt sich dies der Rezensent. Es passieren die unmöglichsten, unfassbarsten Dinge. Der Held wird im Laufe des Szenario zum Anti-Helden, und die Suche nach sich selbst erweist sich bald schon als teuflische Angelegenheit.

Der Autor hat sich an einer Erzählung von Dostojewski, nämlich "Der Doppelgänger" in gewisser Weise zu orientieren versucht. Die beiden Bücher haben dennoch höchstens marginal miteinander zu tun, da es inhaltlich doch recht starke Differenzen gibt. Das hat damit zu tun, dass sich die Zeiten geändert haben, und G. noch weit mehr in den Wahnsinn getrieben wird, als dies im "Doppelgänger" mit Goljadkin geschehen ist. Der Roman hat als Ingredienzien kriminalistische, horrormäßige und selbstreflexive Energien in sich. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sogar das heutzutage stark besprochene Thema Mobbing Teil der Geschichte ist. Mobbing kann den Betroffenen sehr schwer zu schaffen machen, und wie eine relativ neue Studie ergeben hat, sind viele Selbstmorde auf diesen Psychoterror am Arbeitsplatz zurückzuführen. Zwar mag diese Thematik im zu besprechenden Roman nur einen kleinen Anteil haben, dennoch kann sie nicht überlesen werden. Das ist ein Beispiel für die Vielschichtigkeit der Geschichte, die neben dem Hauptstrang über zahlreiche Nebenstränge verfügt. Es besteht manchmal durchaus die Möglichkeit, die Übersicht zu verlieren, wenngleich - glücklicherweise - in diesem Roman das in Dostojewski-Stoffen so zahlreiche Arsenal an Haupt- und Nebenfiguren nicht in dieser Dimension gegeben ist. Der Autor beschränkt sich wohl bewusst auf einige Figuren, die auf teilweise bizarre Weise miteinander verbunden sind. Einige Szenen mögen ein gewisses Entsetzen im Leser auslösen, andere Szenen wiederum zum Schmunzeln anregen.

Ein Leben driftet von einem Tag zum anderen in eine zuvor für den (Anti)helden völlig unbekannte Richtung ab. Wir Leser wandern mit G. mit, und müssen am Ende erkennen, dass der Wahnsinn diese Welt im Innersten getroffen haben muß. Sicher keine Lektüre, die der Unterhaltung dient, sondern vielmehr eine Geschichte, welche den Leser ins Mark seiner Seele treffen kann, wenn er sich fortlaufenden Irrsinnigkeiten mit ihm zur Verfügung stehenden Waffen zu stellen vermag…

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Dieses Buch wurde empfohlen von Valentin
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