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Frank M. Finke

Und dann ...

Zuerst wartete ich ständig auf meine Mutter –
als sie endlich kam, floh ich in mein eigenes Herz.

Dann wartete ich auf meinen Vater –
doch der wartete selbst.

Dann wartete ich auf meine Großmutter –
und unterwarf mich voller Furcht ihrer Willkür.

Dann wartete ich auf die Ejakulation meines Peinigers –
und beschloss danach, mein Herz für immer zu verschließen.

Dann wartete ich auf die Rückkehr in eine Heimat, die ich nicht kannte –
und kam niemals dort an.

Dann wartete ich auf das Ende meiner Schulzeit –
denn ich lernte für die Schule, nicht für das Leben.

Dann wartete ich auf einen guten Ausbilder –
und brach enttäuscht die Ausbeutung ab.

Dann wartete ich darauf, einen Freund zu finden –
doch fand ich nur einsame Menschen, die ebenfalls auf der Suche danach waren.

Dann wartete ich darauf, in der weiten Welt mein Paradies zu finden –
doch fand ich nur heraus, dass überall gute und schlechte Menschen leben.

Dann wartete ich auf die Stillung meiner Sehnsucht –
und sehnte mich bald nur noch danach, meine Sucht zu stillen.

Dann wartete ich auf meinen Dealer –
doch der hatte sich in die Unendlichkeit seines eigenen Wahnsinns geschossen.

Dann wartete ich auf Ruhm und Ehre –
und erwachte in der Psychiatrie.

Dann wartete ich auf eine menschenwürdige Arbeit –
und war gezwungen, Maschinen zu würdigen, die ohne Menschen arbeiteten.

Dann wartete ich auf einen heiligen Führer –
und fand mich umzingelt von scheinheiligen Verführern.

Dann wartete ich auf meine Frau –
doch die hatte einen Menschen erschlagen und wartete auf ihren Richter.

Dann wartete ich auf Gott –
und Er kam und schenkte mir Seinen Himmel im Tausch für meine Hölle.
Jetzt warte ich auf den Tod –
und dann?!?

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