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Einkauf eines Antihelden

Es gab da einmal einen einfachen, jungen Mann aus der Provinz, vom Lande sozusagen. Dieser beschloß eines Tages, als ihm wieder, wie schon so oft zuvor, extrem langweilig war, in die übernächstbeste Stadt zu fahren, um sich dort ein bißchen umzusehen. Er wollte die große, weite Welt kennenlernen. Was war dagegen schon das kleine Dorf, welches er sonst mit seiner Anwesenheit beglückte. Er hatte gehört, daß es dort, an seinem geplanten Reiseziel, sehr viel Aufregendes zu sehen gäbe: mächtige Hochhäuser, überbreite Geschäftsstraßen, teure Autos, schäbig gekleidete Straßenbettler u.v.m.
Gesagt, getan, zum Bahnhof gewetzt, hat er sich sogleich in einen noch nicht stillgelegten Zug gesetzt. Vorher hatte er sich natürlich noch eine Fahrkarte besorgt. Er wollte schließlich kein Schwarzfahrer sein. Nicht, daß er Gewissensbisse gehabt hätte. Nein. Nur Angst vorm Erwischtwerden.
So war er jetzt unterwegs in Richtung übernächstbeste Stadt, die er nach eineinhalb Stunden Fahrzeit auch erreichte.
Der einfache, junge und dynamische Mann kam aus dem Wundern nicht mehr heraus. Hier gab es wirklich allerhand zu erblicken. So wie vorhergesehen. Er hatte es ja schon immer gewußt. Aber jetzt erblickte er es eben mit eigenen Augen. Überwältigt wandelte er durch die Straßen - und staunte.
Schließlich stand er vor einem der großen Modetempel. Dort und nicht hier erblickte er etwas wahnsinnig Schönes, was seine Augen noch nie zuvor gesehen hatten, was er aber jetzt vom ganzen Herzen her begehrte. Er sah eine Schaufensterpuppe, die eine leuchtendgrüne Seidenhose, ein knallrotes Hemd und zur Krönung noch eine metalliséblaue Krawatte mit großen, gelben Punkten trug, von denen jeder einzelne wie eine kleine Sonne zu strahlen schien. Dieses wunderbare Gewand mußte er haben. Unbedingt! Den Dorfbewohnern würden die Augen aus den Höhlen treten, wenn sie nicht sogar ganz herausfielen. Anstarren müßten sie ihn aufgrund der hypnotischen Wirkung, die dieses Gewand ausstrahlte, wenn er es trüge. Und erst das Gerede. Er wäre für mindestens drei Tage der Grund aller Gespräche am Markt- und Kirchplatz. - Herrlich!
Er trat ein. Gedämpftes Licht hüllte ihn sofort mit einer sanften Intensität ein, die er nie zuvor für möglich gehalten hätte. Eine einschmeichelnde Melodie Marke Andi Borg, Engelbert, Simone oder Nina Hagen strömte aus verborgenen Lautsprechern und verwöhnte seine Ohren. Dadurch geriet er erst so richtig in Einkaufsstimmung. Kaum hatte er die Türschwelle passiert, wippte ihm ein feengleiches Wesen entgegen. Es stellte sich heraus, daß es sich dabei um keine übernatürliche, märchenhafte Wundervenus handelte, schon gar nicht um die von Willendorf, sondern bloß um die Verkäuferin, was ihm eigentlich auch genügte. Denn er wollte ja nur ein wenig einkaufen. Sie sollte ihm für die nächsten paar Minuten alle Wünsche von den Augen ablesen. Nachdem sich der einfache, junge und der angesichts der gebotenen Reize völlig überwältigte Mann endlich wieder gefaßt hatte, brachte er seinen Wunsch dar.
Sie fragte ihn mit kokettem Augenaufschlag, der eigentlich schon aufgrund des Pornographiegesetzes verboten hätte werden müssen, nach seiner Kleidergröße. Er teilte sie ihr zaghaft mit. Nichtsdestotrotz begann sie danach die eifrigen Ermittlungen, mußte aber schließlich klein beigeben und feststellen, daß zwar Hemd und Krawatte in der gewünschten Größe und Farbe vorhanden wären, aber keine dazupassende Hose. Traurig und zerknirscht, fast völlig zerbrochen, teilte sie es ihm mit, schlug gleich darauf aber eine blaue Schnürlsamthose vor. Diese sei der letzte Schrei, direkt aus Paris, behauptete sie enthusiastisch, so daß ihre Stimme vor Begeisterung fast überschlug. Der noch immer einfache, junge Mann war so überwältigt von Glanz und Gloria in diesem Kaufhaus und noch viel mehr von ihr, so daß er ihr keinen Wunsch abschlagen konnte. Er nickte mechanisch und zog sich in eine Umkleidekabine zurück und um. Unsicher, verschreckt, zweifelnd und zu jedem Widerstand entschlossen kam er wieder heraus und fragte sie mit fester Stimme, ob das Ganze überhaupt richtig zusammenpasse. Die Verkäuferin antwortete ihm, eigentlich schon. Aber man könnte diese blaue Hose und die Krawatte auch mit etwas anderem kombinieren. Sie suchte kurz und hatte plötzlich ein gelbes Seidenhemd in der Hand. Er fragte sie, leichte Unsicherheit schwang bereits wieder in seinen Worten mit, ob das wirklich das Richtige wäre.
Sie gab ihm zu verstehen, daß dieses Hemd der letzte Schrei sei. Außerdem, wenn schon nicht die Hose aus Seide, dann wenigstens das Hemd.
Er mußte ihr angesichts dieser schweren Beweislast zustimmen und zog sich wieder um. Was er jetzt anhatte, gefiel ihm wirklich. Doch seine Beraterin hatte wieder etwas auszusetzen. Konnte er ihr denn gar nichts recht machen?
Die Krawatte passe nicht dazu, meinte sie, aber diesen Mißstand könne man schnellstens beheben und hielt schon eine grün-violett gestreifte in der zarten Hand. Der junge, einfache Mann vom Lande traute sich schon gar nichts mehr zu sagen, sondern band sich den anderen Schlips um.
„Fantastisch“, meinte sie, „so kann man sich sehen lassen. Sie haben eine sehr gute Wahl getroffen. Dürfte ich sie jetzt zur Kasse bitten.“
Er folgte ihr unauffällig und begutachtete die ihm dargebotene Rechnung.
Plötzlich waren alle Notausgänge durch Bodyguards versperrt. Schönheit muß leiden, dachte er sich, als er diese sah. Mit einem flauen Gefühl beglich er den offenen Betrag, da eine plötzliche Flucht aussichtslos schien, aber irgend etwas war schief gelaufen. Warum gab er jetzt das Doppelte aus, als er zuerst geplant hatte. Naja, dafür ging er mit der Mode.
Er beschloß, schleunigst nach Hause zu fahren, damit er nicht noch mehr Geld ausgeben konnte. Er nahm also den nächstbesten Zug, der aber gar nicht in seinem kleinen Ort anhielt sondern 50 Kilometer weiter und er deshalb wieder ein Stückchen zurückfahren mußte und kehrte schließlich doch noch vor Einbruch der Nacht in sein Dorf zurück.
Er freute sich schon auf die vielen überraschten Gesichter, die er verursachen würde, wenn er so modern gestylt nach Haus kommen würde.
Doch am Ende war er es, der entsetzt die Augen aufriß. Eine aufstrebende politische Partei hatte einen Stadtbesuch für ihre Anhänger im Dorf organisiert. Es standen Wahlen vor der Tür. Eben dieser Reisebus war auch zur selben Stunde zurückgekehrt. Ihm entstiegen 50 blau, gelb und grün-violett gekleidete Personen.

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