Literarisches / Archiv/Zeit für ein Gedicht? Für Zugestiegene: Startseite 
[Absurdistan - Der Wochenrückblick] [Gäste] [LiteraturWettbewerbe] [Veranstaltungen] [LiteraturChat] [Buchwelt] [Allerlei & Tipps]


 zurück zur Hauptseite

 HITLISTE - Stimm mit!

Werbung:
Dein persönliches Auftragsgedicht:
- Geburtstag
- Hochzeit
- Pensionierung
- Liebesbeweis
- und vieles mehr

>> informiere Dich >>
Der kleine Atomreaktor

Es gab da einmal einen lieben, kleinen, ganz und gar unschuldigen Atomreaktor. Dieser arbeitete tagein, tagaus von niemanden so richtig beobachtet still und heimlich vor sich hin. Er spaltete lustlos Atom um Atom. Immer wieder. Millionstel Sekunde um millionstel Sekunde. Und das bloß, damit die armen und geplagten Leute stets den so dringend gebrauchten elektrischen Strom erhielten. Stellen Sie sich vor, Sie müßten diese langweilige, nervenaufreibende Tätigkeit den ganzen Tag lang verrichten. Die Dinger sind ja so winzig.
Man verwendete die von ihm mühevoll erzeugte, elektrische Energie für viele wirklich notwendige Sachen, wie z. B. Farbfernseher, Videorecorder, elektrische Zahnbürsten oder Messer sowie Steueranlagen für Solarkraftwerke bei schlechtem Wetter.
Da wurde der liebe, kleine, arme Atomreaktor direkt dazu gezwungen, einzusehen, daß er für die verantwortungsbewußten Alfreds, Lisas, Hermanns und Felicitas auf dieser Welt eine so eintönige Arbeit verrichten mußte, und das schon über 30 lange Jahre hinweg. Aber immerhin war er als ein zu jeder Tageszeit pflichtbesessener und brav arbeitender Reaktor bis über die Staatsgrenzen hinaus bekannt. Guter Ruf verpflichtet.
Sicher, man konnte es nicht mehr vertuschen, es gab ab und zu ein paar kleinere Störfälle, bei denen immer ein bißchen Strahlung austrat. Aber jeder hat so seine Kinderkrankheiten. Warum nicht auch unser Freund?
Außerdem! Radioaktivität machte Lebensmittel haltbar. Sie konnte deshalb nicht schädlich sein, das war ihm klar.
Im Gegenteil! Alles ringsherum wuchs, gedieh, blühte und strotzte nur so vor Gesundheit und das in allen erdenklichen Farben und Formen. Ihm selbst tat sie auch nichts.
Eines Tages war es ihm aber schließlich doch einmal zu langweilig. Jede Geduld geht irgendwann einmal zu Ende. Es mußte etwas geschehen. Die dummen Menschen unterschätzten ihn alle. Sie wußten noch nicht, um was für einen tollen Kerl es sich bei ihm handelte. Ein ganz schneller Brüter.
Er fing klammheimlich an, seine Leistung zu steigern. Zuerst nur das 10fache, dann das 100fache, 1000fache, ... - Es war eine Freude, dabei zuzusehen, noch besser: Direkt am Ort des Geschehens dabei zu sein! Endlich konnte sich unser liebe, kleine Atomreaktor so richtig austoben.
Den anwesenden Menschen gefiel das anscheinend. Sie liefen aufgeregt umher und drückten auf viele lustig blinkende Knöpfe. Dabei unterhielten sie sich überaus angeregt.
Was geschah denn da plötzlich? Sie fielen vor ihm nieder und fingen inbrünstig zu beten und zu bitten an. Mit so viel offen gezeigter Dankbarkeit, oder noch besser gesagt, Gottesfürchtigkeit, hatte unser liebe, jetzt mit voller Kraft arbeitende Atomreaktor nicht gerechnet. Er war sehr stolz auf sich und es spornte ihn zu noch größeren Leistungen an.
STROM FÜR ALLE!
Das war sein Leitsatz. Für alle noch kommenden Zeiten.

BUMM!

Der liebe, kleine und immer fleißig arbeitende Reaktor flog explosionsartig in die Luft. Nicht nur Red Bull verleiht Flügel. Lustig spritzten Betonbrocken, Brennstäbe und Leichenteile durch die Gegend. Ein wahres Feuerwerk. Für viele war es vermutlich das letzte.
Aber jeder muß einmal sterben - Auch Atomkraftwerke.

Falls er Dir gefallen hat, dann stimm' für diesen Beitrag

zurück
Weitere Texte von Reinhard:
- Abendgedanken & mehr
- Melanie
- Liebe I
- Da hast Du mich im Traum berührt
- Tamerson
- Nur Du oder Das erste Mal
- ... und das soll ein Kabarett sein?

Bevor Du weitersurfst möchtest Du Dich möglicherweise noch ins Gästebuch eintragen?

Werbung:

Mitarbeit...
Du willst diese Online-Zeitung mitgestalten? Schick mir Deine Gedichte, Kurzgeschichten, Buchbesprechungen, Kritiken, Lobeshymnen - oder vielleicht ganz was Neues? Erlaubt ist, was Spaß macht und keinen kränkt oder geschmacklos ist.

Schreib', was Dich bewegt: leitner@wiend.at


http://www.wiend.at
E-Mail:leitner@wiend.at