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Der kleine Bär

Vor langer, langer Zeit, da war es endlich so weit. Es herrschte ein intergalaktisches Kuddelmuddel. Oder anders ausgedrückt: Es regierte das organisierte Chaos. Von wem organisiert? Das wußte keiner, weil es noch niemanden gab, der das hätte fragen können, geschweige denn, beantworten.
Dann etwas später, ein paar Millionen Jahre mußten wohl schon ins Land gegangen sein, als es noch immer keine Menschen auf der Erde gab, aber auch keine anderen Tiere, Pflanzen, geschweige denn Einzeller oder Bakterien, also überhaupt kein Leben in irgendeiner Art, zu einer Zeit, da die Sonne noch im Kindbett lag und die Erde erst geboren hatte, in diesen längst vergangenen Stunden hatten sich weitaus kompliziertere intelligente Lebensformen in diesem Universum, als man sich heute vorzustellen wagt, herausgebildet.
Aber der Kleine Bär wollte nicht mehr. Nein er war keine Rothaut, auch nicht aus Plüsch, aber auch nicht ein von einem sadistischen Showmaster durch Zerbeißen getötetes Gummibärchen, sondern ... .
Ja, um wen handelte es sich bei ihm? Es sei vorerst nur soviel verraten: Er bestand aus Milliarden Sonnen und das wurmte ihn doch sehr.
„Er wäre ja noch so klein“, sagte man ihm immer wieder.“
„Er müßte sich noch etwas gedulden, bis er auch so groß und gescheit, wie sein Vater der Große Bär, oder seine Mutter, die Jungfrau (die jetzt keine mehr war) sein würde“, sagte man ihm immer wieder. Dann bestände er nicht mehr nur aus Milliarden Sonnen, sondern aus zigmilliarden strahlenden Sternen.
Solange konnte er nicht mehr warten. Wozu auch? Wenn er wollte, konnte er auch alleine etwas Weltallveränderndes auf die Beine stellen, auch wenn er keine hatte. Sie würden schon noch sehen, was sie davon hatten, ihn immer so zu demütigen. Er würde sich aufmachen und davonlaufen, um sich irgendwo ein herrenloses Schwarzes Loch zu angeln, das er sich einverleiben konnte, und ihn mit immer neuen Sternen versorgte. Er konnte damit wachsen und wachsen, seine jetzt noch bescheidene Materie verdoppeln, verdreifachen oder sogar verzehnfachen. Er wagte fast nicht, sich das vorzustellen.

Der kleine Bär hatte sich klammheimlich, als gerade alle weg schauten aus den Staub gemacht und fühlte sich dabei pudelwohl. Er ließ so richtig die Sau raus.
Einmal zum Beispiel, da kam er in eine sehr seltsame Galaxie. Dort lernte er etwas kennen, das er zuvor nie gekannt hatte. Woher auch. Es kam nicht oft vor, daß man im freien Weltenraum Alkohol vorfand. Er betrank sich, ohne an den Kater zu denken, der ihn am nächsten Tag quälen könnte. Aber Galaxien hielten das aus. Nur daß er sich in seinem Sinnentaumel immer weiter von seiner angestammten Heimat entfernte und in ungewisse Weiten des Alls hinaustrudelte.
Ein andermal da wollte er einfach so, gutnachbarschaftliche Beziehungen knüpfen. Er stattete dem Andromedanebel einen Besuch ab. Ohne anzuläuten, drang er einfach in sein Gebiet ein. Vielleicht schauten ihn deshalb alle so böse an.
'Sei's drum', dachte sich der Kleine Bär.
„Wie geht's Dir“, fragte er den Sessel?
„Danke, schlecht.“
„Warum“, zeigte sich unser kleine Freund besorgt.
„Weil Du da bist.“
Naja man konnte nicht gerade behaupten, daß die Sternzeichen dieses intergalaktischen Bezirks gastfreundlich waren. Aber was wollte man schon von Sternzeichen erwarten, die sich so einfallslose Namen wie Sessel, Bauernkommode oder Wandspiegel zulegten.
Trotzdem versuchte er es ein weiteres Mal.
„Hallo, Glasvitrine. Magst Du mit mir einen Heben gehen. Ich habe da ein wirklich tolles alkoholisches Gebiet entdeckt. Astrein. Echt.“
„Hau ab, Du Spinner.“ war die charmante Antwort.
Da der Kleine Bär sah, daß es hier schwer möglich war freundschaftliche Kontakte zu knüpfen, machte er sich auf, um weiterzureisen. Außerdem ging es ihm schon gewaltig auf die Nerven, ständig mit dreckigen Kometen und Meteoren beworfen zu werden.
Als er das ihm feindlich gesinnte Gebiet hinter sich gelassen hatte, konnte er wieder aufatmen - bildlich gesprochen. Denn in den unendlichen Weiten des Weltalls gibt es fast keinen Sauerstoff. Außerdem brauchen Galaxien diesen gar nicht.
Jedenfalls reiste er immer weiter und dachte angesichts der aufregenden Gebilde rings um ihn herum nie ans umkehren. Zu fantastisch waren die Pulsare, Quasare, Wurmlöcher und anderes intergalaktisches Zeug. Außerdem war er ja mit einem gewissen Ziel ausgerissen, das er natürlich zu erreichen versuchte.

Jetzt war er hunderte Milliarden Lichtjahre von zu Hause weg und wußte nicht mehr weiter. Denn irgendwie mußte er sich verkalkuliert haben. Er hatte endlich ein Schwarzes Loch gefunden, das ihm für seine Zwecke geeignet schien. Von der Weite aus gesehen sah es noch recht gemütlich aus. Er wollte gemächlich zu ihm hinfliegen und es fragen, ob es nicht in Symbiose mit ihm treten wollte und ihn bei seinen Expansionsplänen unterstützen könnte, als der kleine Bär bemerkte, daß da schon jemand anderer vor hatte sich zu vergrößern. Oder verkleinern?
Denn man muß wissen, wenn man sich von einem Schwarzen Loch einverleiben läßt, wird man auf ein 1000stel seiner ursprünglichen Größe zusammengepreßt, vorerst zumindest, bis man noch mehr komprimiert, so eine kleine Masse inne und dafür so eine große Dichte erreicht hat, daß man nicht mehr dicht ist und man dem Wahnsinn verfällt, der einen davor bewahrt, bewußt mitzuerleben, wie man eigentlich stirbt und in reine Schwerkraft und Energie umgewandelt wird, die dann im Schwarzen Loch voll und ganz aufgeht und selbst dann als kleiner Teil des Ganzen mithilft, andere Sterne, Sonnensysteme, Galaxien einzufangen, aufzusaugen und zu vernichten, um sie wieder zu einem gemeinsamen Ganzen mitverschmelzen zu lassen.
Zuerst zerrten unsichtbare Hände nur ganz leicht an all seinen Sternen. Das aber mit einer gewissen physischen Kraft, die den kleinen Bären nicht überzeugten, auch nicht überredeten sondern zwangen, sich dem Schwarzen Loch zu nähern. Zuerst nur mit ein paar tausend km/h, dann aber doch ein wenig schneller werdend - Lichtgeschwindigkeit war es noch nicht, aber wahrscheinlich schon ziemlich nahe dran, näherte sich der kleine Bär dem Untergang. Leichte Panik flackerte in ihm auf. Irgendwie war er doch noch zu jung zum Sterben. Wäre er doch zu Hause geblieben. Wohlbehütet zwischen Vater und Mutter, Onkel und Tanten und all den anderen. Aber nein, er mußte ja größenwahnsinnig werden und so kam eben was kommen mußte.
Immer schneller ging die Reise, immer heißer wurde ihm dabei. Er war ganz bedrückt, angesichts der nicht gerade rosigen Zukunftsaussichten und der immensen Schwerkraft, die auf ihn einwirkte.
Plötzlich trat eine krasse Bewußtseinsveränderung in ihm auf. Es kam ihm mit einem Mal alles nicht mehr schneller und schneller vor sondern ungeheuer langsam. Dafür umfing ihn eine bleierne Schwere die ihn schier zu erdrücken drohte. Und so war es auch. Während für ihn das Weltall und alles Drumherum beinahe zum Stillstand kam, wurde er mit einer immensen Kraft zusammengepreßt, so daß er eigentlich keine eigene kleine Galaxie mehr war, sondern nur mehr ein großer Stern mit einer schier unendlichen Dichte. Da das das robusteste Sternensystem nicht aushält, starb er. Ohne viel Aufsehens. Einfach so.

Weit, weit weg, da wo der kleine Bär einmal herkam, hatte sich währenddessen nicht viel verändert. Die Jungfrau zeugte mit dem großen Bären ein zweites Kind und benannte es nach ihrem ersten, um vergessen zu können. Und wenn sie nicht gestorben sind. -

Ach ja, sie sind gestorben und dadurch erlaubten sie anderen Lebensformen, deren Individuen wesentlich kleiner von Wuchs waren, zu entstehen und die unendlichen Weiten des Weltraumes zu besiedeln.

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