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Das Fest
(Nur für Computerfreaks, wie Andreas einer ist)

Eines Tages war Andreas fort. Einfach so. Nicht ohne Nachricht. Denn sein Anrufbeantworter ließ verlauten: „Bin nicht da.“ Juchuh, freuten sich da die Heinzelmännchen. Wer? Naja, ihr wißt schon. Diese kleinen Wesen, die einem sozusagen über Nacht, die Arbeit abnehmen und somit das Leben leichter machen. Jetzt konnten sie tun und lassen, was sie wollten. Endlich war Schluß mit der ewigen Plackerei. Blöde Gewerkschaft. Sie hatte damals vor tausenden Jahren nicht gerade gute Arbeitsbedingungen erkämpft. Meistens schwerste Nachtarbeit, keine Pausen und als Lohn nur ein paar Kleider.
Heute wollten Sie so richtig die Sau rauslassen, obwohl keine da war.
Ein Fest mußte gefeiert werden. Ein Fest auf der Festplatte. Denn er war ein Computerfreak und das war das Pech einzelner Heinzelmännchen. Gut hatten es die kleinen Gesellen im Radio. Sie durften den ganzen Tag sprechen, singen, musizieren. Die im Fernsehapparat schauspielten, daß es eine Freude war. Die im Geschirrspüler durften jedesmal, wenn sie gebraucht wurden im Wasser planschen, welches auch nicht viel schmutziger war, als so manches natürliche Gewässer. Nur die im Computer hatten Schwerstarbeit zu verrichten. Ein paar mußten ständig die Festplatte in Schwung halten und wie ein Hamster im Laufrad nur rennen und rennen und rennen. Bei der dafür notwendigen Geschwindigkeit gar nicht so leicht. Andere wiederum waren für den Transport der Elektronen verantwortlich. Ständig schupften sie sie von einem zum anderen weiter. Natürlich auch ziemlich schnell, denn jedesmal, wenn man sie zu fassen bekam, gab es einem einen elektrischen Schlag. Da war man natürlich froh, sie sofort wieder weiterreichen zu dürfen. Doch dann kam ja schon das nächste. Schließlich gab es auch noch welche, die tausend und abertausende schwierigste Rechnungen lösen mußten.
Aber damit war jetzt Schluß. Sie beschlossen noch einmal einen Drauf zu machen und dann endgültig abzuhauen.
Über das Bussystem bewegten sie sich so schnell und doch wieder mit einer bestechenden Ordnung durch den PC, so daß die öffentlichen Verkehrsplaner sich einiges abschauen könnten. Die Heinzelmännchen im Radio sangen ihnen fröhliche Volkslieder, so daß sie sich mit großer Taktgeschwindigkeit im Kreise drehten, auf einander zubewegten und wieder entfernten, also richtige Volkstänze machten. Dabei piepste die Maus vor Freude. Die Soundkarte wurde ganz neidisch. Schließlich ging es zur Hauptattraktion. Ein riesiges Feuerwerk sollte stattfinden. Wo der letzte Partypunkt steigen sollte, damit hatte keiner Probleme. Jeder wußte, wo es lang ging, denn alle Wege führten zum ROM-Speicher.
Dort ging es dann wirklich rund. Es wurde getanzt, gesungen, man brachte sich durch geschickt dosierte Stromstöße in einen wahren Rauschzustand und zündete schließlich das allerletzte Feuerwerk.

Als Andreas am frühen Morgen nach durchzechter Nacht wieder nach Hause kam, fand er ein Bild der Verwüstung vor. Irgendwie bereute er es jetzt, fortgegangen zu sein und war mit einem Schlag wieder nüchtern. Denn sein ganzer Stolz präsentierte sich in einem - man konnte es nicht mehr anders bezeichnen - zerstörten Zustand. Schweren Herzens beseitigte er den völlig ausgebrannten Computer und war dabei doch noch ein wenig froh, daß nichts anderes in der Wohnung Feuer gefangen hatte. In seiner Trauer bemerkte Andreas nicht, daß rings um seinen ehemaligen Stolz herum alles naß war. Die Feuerwehr-Heinzelmännchen hatten da brav aufgepaßt.

Die kleinen Gesellen aber waren endlich frei.

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