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Das Märchen vom glücklichen Urlauber

Ein reicher Tourist kommt nichtsahnend und voll innerer Freude hin nach Alpenstadt.
Der Peter, ein Bauernbub, holt ihn ab, so bestimmte es der Gemeinderat.

Der Tourist ist bloß gekommen, um sich zu erholen.
Ein Freund von ihm hat ihm diesen schönen Ort empfohlen.
Daß er Millionär ist, hat er allen verschwiegen.
Er will schließlich nur seinen seligen, ruhigen Frieden.

Er wird mit Hollodero ins nächste Wirtshaus gebracht,
wo er sicher verschlafen will so manche stille Nacht.
Kaum hat er aber alle seine Koffer ausgepackt,
wird er auch schon nach allen Methoden frech ausgefragt:

"Wollen Sie nicht heute noch mit uns volkstanzen gehen?
Sie werden etwas sehr Idyllisches bei uns sehen.
Bauernbräuche wie noch nie in der Natur und pur.
Bitte schalten Sie doch nicht so ohne Gnade auf stur."

Der Urlauber war bis jetzt noch immer ein guter Mann,
er lächelt, so gut wie er mit falschem Gebiß nur kann.
Er meint: "Ich werde Sie gerne zu dem Fest begleiten.
Es würde mir eine sehr große Freude bereiten."

"Ach ja", fügt der Wirt noch beiläufig und verschmitzt hinzu.
"Vergessen Sie nicht, ein paar Schillinge mitzubringen.
Mit unserem Naturbrauchtum zu sein auf Du und Du,
kann nur mit der richtigen Finanzierung gelingen.

Heißa, heißa, hoppala, ist das 'ne Gaudi, jucheh.
Das nennt jeder hier den urigen Alpenstädter Schmäh.
"Beim Schuplatteln, da tun wir alle hier gern lustig sein."
Der Tourist find't das ganze Spitze und soo naturrein.

Nach etlichen teuren Vierterln wird er nach Haus' gebracht.
Die Wirtin legt den sehr Betrunkenen ins Bett, ganz sacht'.
Er schläft nun im zu weichen Bett den Schlaf der Gerechten,
den ursprünglichen, den wahren und den täuschend echten.

Beim ersten Hahnenschrei er mit dröhnendem Kopf erwacht.
Jetzt nicht in Ruhe weiterschlafen? Das wäre ja gelacht.
Doch da pocht es schon in aller Früh' kräftig an der Tür.
Was kann unser liebe und zahlende Tourist dafür?

"Heut' können Sie Bauernarbeit in Natur erleben.
Das wird Ihnen Ihre ganze Frische wieder geben."
Der zweifelnde Urlauber denkt sich: "Vielleicht hat er recht.
Dafür wird wenigstens nicht mit Alpendollern geblecht."

Ihm wird eine Heugabel in die schwache Hand gedrückt.
"Mei, is des a büllige Orbatskroft. Hob i a Glück."
Das denkt sich der kluge Bergbauer aber nur insgeheim.
Der weite Himmel ist klar und blau. Die Luft ist so rein.

Am Abend fällt der Tourist wie tot in sein Bett hinein.
Er kann sie wirklich nicht mehr zählen, die Schäflein.
Geschafft aber überglücklich macht er die Augen zu.
Für ein paar Stunden hat er endlich wohlverdiente Ruh'.

Auch der schönste Urlaub muß schließlich einmal vergehen.
Der Sommerfrischler bekam für sein Geld viel zu sehen.
Vom Volksfest, der Bergwanderung, gar bis zum Misthaufen,
verstand man es, alles teuer an ihn zu verkaufen.

Die Urlaubswoche ist nun leider schon aus und vorbei.
Der arme Tourist kennt alles, vom Jucheh bis Lei-lei.
Völlig ausgelaugt und als Gast jetzt nicht mehr zu brauchen,
darf er ganz allein zum Regionalbahnhof laufen.

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