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Lizzi

Heute will ich euch ausnahmsweise nicht von mir erzählen, wie es sonst der Fall ist, sondern von Lizzi. Wer war diese junge Frau? Oder besser gefragt, wie war diese Frau?
Lizzi war ganz anders. Wenn es regnete, dann ging sie spazieren. Schien die Sonne, blieb sie zu Hause hocken, um zu warten, bis die Wolken wieder den hellen Himmelsstern versteckten. Wollte Susanne mit ihr ins Kino gehen, dann ver-brachte sie den Nachmittag mit Hannes und wenn Hannes mit ihr den Nachmittag verbringen wollte, dann ging sie mit Susanne ins Kino. So war Lizzi und nicht anders, wie viele unwissen-de, stereotype, eintönige und oberflächlich denkende Menschen uns glauben machen möchten.
Habe ich mich schon vorgestellt? Ich bin Hannes. Ach ja, ich habe versprochen, heute nicht von mir zu erzählen, sondern von Lizzi. Wie war diese Frau? Oder besser, wer war diese junge Frau? Sie war unser Ein und Alles, näher eingegrenzt könnte man sogar behaupten, sie war mein Ein und Alles. Mit ihr konnte ich Pferde stehlen gehen, oder mit den Wolken fortschweben, wie es ihr paßte und nicht unrecht war.
Wie man es auch drehte und wendete, eines Tages war die zau-berhafte Märchenidylle doch vorbei. Lizzi hatte keine Lust mehr, spazieren zu gehen, wenn es regnete, zu Hause zu hok-ken, wenn die Sonne schien, mit mir den Nachmittag zu ver-bringen, wenn Susanne mit ihr ins Kino gehen wollte und mit Susanne ins Kino zu gehen, wenn ich mit ihr den Nachmittag daheim verbringen wollte. Sie hatte auch keine Lust mehr, Pferde stehlen zu gehen oder mit den Wolken fortzuschweben. Warum? Ich weiß es nicht. Oder doch? Also, gut. Lizzi, ihr kennt sie jetzt schon gut genug, ja genau die, die zuerst immer spazieren gehen wollte, wenn es regnete und dann wieder nicht, die die zu Hause hocken wollte, wenn die Sonne schien und dann wieder nicht, die die Nachmittage mit mir verbrach-te, wenn Susanne mit ihr ins Kino gehen wollte und dann wieder nicht, die die Pferde stehlen gehen wollte und dann wieder nicht und die, die mit den Wolken fortschweben wollte und dann wieder nicht. Sie beschloß eines Tages, Modeschöpfe-rin für Computerhelden zu werden. Keine Ahnung, wer sie auf so einen verrückten Gedanken bringen konnte. Sie war ja schon immer ein wenig seltsam. Aber das ging dann doch zu weit. Lizzi meinte, auch Mario, Q-Bert, Sonic & Co. müßten bis zum i-Tüpfchen modisch gestylt werden. Nicht zumutbar, daß diese Figuren immer in den selben Klamotten ihre Heldentaten zu be-stehen hatten. Ich meinte das nicht. Aber das zählte nicht.
So kaufte sie ein auf elektronischer Basis arbeitendes Wiedergabegerät für Abenteuer von Superhelden, setzte sich hin, verfolgte die Comicfiguren der künstlich kreierten Wunderwel-ten bei ihrem Tun, begleitete und führte sie durch die Aben-teuer, fühlte mit jeder Faser, mit welchen Schwierigkeiten sie gerade zu kämpfen hatten. Alles nur unter dem Vorwand, um sie genau studieren sowie ihre Charaktere analysieren und ihnen dann anschließend das richtige Outfit zu verpassen. Wer's glaubt, wird selig. Ich tat es und wurde es trotzdem nicht. Aber was soll's. Lizzi lernte immer genauer die mannigfaltigen Probleme der Superhelden kennen, half Alex-Kid, Octopus & Co., Mario & Luigi die Prinzessin befreien und was sonst noch im Programm stand und mußte über kurz oder lang doch eine nähere Vorstellung darüber erlangen, welches Outfit sie den Draufgängern auf den Bildschirmen verpassen wollte.
Und siehe da. Als ich schon meinte, ihr Tun sei nur dazu gut, einen Vorwand zu haben, damit sie den Joystick zwischen den Fingern spüren und gebannt auf den Monitor starren durfte und deswegen schon zu verzweifeln begann, da war es doch so weit. Da gab sie ihren Plan auf, die Draufgängertypen Joshi, Won-derboy, Turrican & Co. einkleiden zu wollen und beschloß Weltmeisterin im Computerspielen zu werden.
Und wer glaubt, daß Lizzi dieses Ziel, oder doch ein ande-res, nicht erreicht hat, der irrt sich gewaltig. Warum ich das behaupte? Ich weiß es nicht. Aber fragen Sie doch Lizzi!

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