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Das Märchen vom glücklichen Lottospieler

Es gab da einmal einen jungen, dynamischen und von sich voll überzeugten Mann, der mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt als Verkäufer in einem Plattengeschäft verdiente.
So kann man doch keine Geschichte beginnen, wird sich jetzt so mancher von den Lesern denken und blättert sofort zur nächsten Geschichte weiter oder wirft das Buch gleich wutentbrannt zu den andern schlechten Büchern in die linke Wohnzimmerecke. Soll mir aber recht sein, denn eingebildet wie ich bin, glaube ich, daß es noch genug Neugierige gibt, die es nicht gleich aus der Hand legen. Nur die ganz Mutigen wagen es, den schweren Schicksalsschlägen, die jetzt auf Max zukommen, ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken.
S 12.000,-- netto, das war ihm zu wenig. Doch es war im Moment nicht zu ändern. Das schnelle Geld konnte er nicht so rasch machen. Er hatte in letzter Zeit weder einen Kettenbrief bekommen, auch der Onkel aus Amerika, dachte nicht daran, ihn zu beerben und zur Mafia hatte er sowieso keine guten Verbindungen, damit er in den Drogenhandel einsteigen hätte können. Doch es mußte eine Möglichkeit geben, schnell und unproblematisch zu viel Geld zu gelangen. - Nein. Unmöglich. Oder doch nicht? Gab es einen Hoffnungsschimmer am Horizont seiner beschränkten Gedanken? War da ein Lichtschein am Ende des Tunnels? Denn er überlegte sich folgendes: Lotto spielen, das wäre in Erwägung zu ziehen. Mit der Deppensteuer konnte man sich kräftig sanieren. Deppensteuer deswegen, weil die anderen mit ihren Beiträgen seinen künftigen Reichtum finanzieren sollten. Die waren ja wirklich blöd, wenn sie das taten, doch ihm sollte es nur recht sein. Er freute sich schon riesig auf seine künftigen Millionen. Das er auf diese Idee nicht schon früher gekommen war.
Er schritt sogleich zur Tat. Er stürmte in die nächste Trafik und schrie: „Lottoschein oder Leben“.
Zugegeben, Max war ein ausgeflippter Typ.
Die Verkäuferin bevorzugte das Leben und gab ihm das gewünschte Formular, das er sogleich mit zittriger Hand ausfüllte, abgab und bezahlte. Einen heißen Typ hatte er abgegeben: 2, 8, 15, 36, 40, 45.
2 Augen besaß er, mit denen er seinen baldigen Reichtum betrachten durfte. 8 ungeduldigen Gläubigern konnte er endlich das Leben leichter gestalten. 15 Jahre arbeitete er schon im selben Unternehmen. 36 Jahre zählte er. 40 Räuber stürmten durch das offene Felsentor. 45 Millionen wollte er gewinnen.
Diese Zahlen würden ihm den künftigen Wohlstand sichern.
Fast wie im Delirium saß er am Sonntag darauf vor seinem Fernsehapparat und beobachtete mit Argusaugen die Lottoziehung.
1 - ein Fünfer mit oder ohne Zusatz wäre noch recht nett.
7 - ein Vierer ist auch ein schönes Körberlgeld.
14 - naja, mit einem Dreier bekommt man wenigstens seinen Einsatz wieder.
35 - jetzt ist alles aus, aber die nächste Ziehung kommt bestimmt.
40 und
45 - zu spät die richtigen Zahlen.
Es wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein. Doch man darf die Hoffnung niemals aufgeben. Man kann nicht gleich beim ersten Versuch erwarten, daß einem Fortuna alle finanziellen Probleme beseitigt.
Das nächste Wochenende kommt bestimmt und somit auch eine weitere Ziehung.
Diesmal machte er einen genialen Schachzug. Mit sechs Tips hat man eine sechs Mal so große Chance, den Hauptgewinn zu machen, wie mit einem. Er war ganz schön klug, unser heimlicher Freund. So tippte er:
3, 9, 15, 28, 43, 44
1, 30, 32, 34, 36, 38
7, 14, 21, 28, 35, 42
1, 2, 3, 43, 44, 45
16, 17, 18, 19, 20, 22
2, 15, 33, 41, 42, 43
Er war davon überzeugt: Jetzt würde es klappen. Er war der einzig logische Gewinner. Er war der Beste. A new star was born. So fieberte er dem nächsten Sonntag entgegen. Der Champagner war schon eingekühlt, hundert seiner besten Freunde hatte er eingeladen und durften seinen großen Sieg mitbeobachten.

4, 6, 8, 10, 12, 14.

Nur eine Zahl hatte er richtig erraten. Tobend, kreischend, seine Arme wild herumschlenkernd trieb er alle seine Bekannten aus der Wohnung. Er war ein gebrochener Mann - zumindest für die nächsten fünf Minuten.
Denn so schnell ließ er sich nicht unterkriegen. Er kündigte seinen Arbeitsplatz und verbrachte nun die meiste Zeit damit, Lottoscheine auszufüllen. 30.000 verschiedene Tips gab er ab. Um diese finanzieren zu können, mußte er erstens sein ganzes Bargeld aufwenden, zweitens seinen Fernseher verkaufen und drittens und letztens bei der Sparkasse S 200.000,-- aufnehmen.
Schon halb dem Wahnsinn verfallen, schaltete er am Sonntag abend sein Radiogerät ein und vernahm in fiebriger Erwartung die Lottozahlen: 5, 10, 17, 22, 33, 45.
Nun ging er ins Buch der Rekorde ein. Er hatte es geschafft. Keine der Zahlen hatte er auf einem der 30.000 Raster angekreuzt. Das grenzte schon fast an ein Wunder. Doch das half ihm wenig.
Er schrie und tobte, weinte und lachte, rüttelte und schüttelte sich, warf sich zu Boden und hüpfte wieder in die Luft, zertrümmerte all seine Einrichtungsgegenstände. Das war zuviel für ihn.
Jetzt hat er eine neue Anschrift: Nervenheilanstalt Mauer-Öling. Doch er ist glücklich. Er darf jede Woche einen Lottoschein ausfüllen. Am Sonntag wird dann für ihn allein im Aufenthaltsraum eine Lottoziehung veranstaltet und durch technische Tricks macht er jedesmal einen Sechser. Max hat erreicht, was er immer schon wollte. Er ist steinreich. Denn für jede richtige Zahl bekommt er einen Stein.
Sein halbes Zimmer ist schon voll damit und er ist endlich zufrieden.

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